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Suizid
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Ein Suizid (veraltet auch Suicid; von lateinisch sui âseiner selbstâ und caedere âfĂ€llen, niederschlagen, tötenâcite-ref-1[1]cite-ref-2[2]) ist die vorsĂ€tzliche Beendigung des eigenen Lebens. Synonym werden Selbstmord, Selbsttötung, Selbstentleibung und Freitod verwendet. Der Begriff SuizidalitĂ€t beschreibt einen psychischen Zustand, in dem Gedanken, Phantasien, Impulse und Handlungen anhaltend, wiederholt oder in krisenhaften Zuspitzungen darauf ausgerichtet sind, gezielt den eigenen Tod herbeizufĂŒhren.
Contents
âą Ăberblick
âą Benennung
âą Selbstmord
âą Freitod
âą Ursachen
âą Statistik
âą Weltweit
âą Deutschland
âą Ăsterreich
âą Schweiz
âą Frankreich
âą Alterssuizid
âą Suizidbeihilfe
âą Doppelsuizid
âą Massensuizid
⹠GefÀngnissuizid
âą Antike
âą Judentum
âą Christentum
âą Islam
âą Buddhismus
âą Hinduismus
âą Jainismus
âą Philosophie
âą Andere Kulturen
âą Historisch
âą Deutschland
âą Ăsterreich
âą Schweiz
âą Rezeption
âą Film
âą Literatur
âą Verwandte Themen
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Monographien
⹠AufsÀtze
âą Weblinks
âą FuĂnoten
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Ăberblick
Suizid ist ein komplexes PhĂ€nomen. Die Selbsttötung sollte nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgrund der HĂ€ufigkeit als âgesundheitspolitische PrioritĂ€tâ betrachtet werden.cite-ref-whofactsheet-3-0[3] Suizide können aufgrund von unterschiedlichsten BeweggrĂŒnden vollzogen werden; die weltanschauliche und juristische Einordnung ist höchst heterogen. WĂ€hrend nach der Jahrtausendwende verschiedene Gerichtsurteile in Europa den Suizid als Menschenrecht einordnen, wurden historisch Suizidenten etwa auch postum zum Tode verurteilt.
Weltweit begingen im Jahr 2016 geschÀtzt 793.000 Personen Suizid, somit 10,5 Personen pro 100.000 Menschen. In Deutschland wurden 10.000 vollzogene Suizide erfasst und sind somit 13,6 pro 100.000 bei den MÀnnern (70 % aller Suizide in Deutschland) und 4,8 Suiziden pro 100.000 bei den Frauen. Global liegt das VerhÀltnis von MÀnnern zu Frauen bei etwa 1,8.
Suizid war 2016 die zweithÀufigste Todesursache der 15- bis 29-JÀhrigen. Am hÀufigsten waren Suizide mit Pestiziden und Schusswaffen; auch ErhÀngen war eine hÀufige Methode des Suizids.cite-ref-whofactsheet-3-1[3] Suizid kann aktiv und passiv begangen werden, auch durch den Verzicht auf Medikamente.cite-ref-4[4]
Eine Suizidhandlung ohne Todesfolge wird als Suizidversuch bezeichnet. Versuche sind um geschĂ€tzt Faktor 10 hĂ€ufiger als vollendete Suizide.cite-ref-dgsallgemein-5-0[5] Vorherige Suizidversuche sind der gröĂte Risikofaktor fĂŒr vollendete Suizide.cite-ref-whofactsheet-3-2[3]
Aus Perspektive der klinischen Psychologie und Psychiatrie sind Suizidhandlungen oft Symptom einer psychischen Störung. Bei psychotherapeutischer oder psychiatrischer Behandlung und durch verschiedene PrĂ€ventionsmaĂnahmen lassen sich Suizidhandlungen verhindern.cite-ref-whofactsheet-3-3[3] Ăber diese Betrachtung hinaus gibt es beispielsweise auch das kontrovers diskutierte Konzept der Beihilfe zur Selbsttötung und den umstrittenen Begriff des Bilanzsuizid. GrundsĂ€tzlich geht die WHO davon aus, dass Suizidhandlungen und SuizidalitĂ€t stigmatisierend sind und einem Tabu unterliegen. Die WHO bemĂ€ngelt darĂŒber hinaus die grundlegende UnterschĂ€tzung des Themas Suizid. So sei mit Stand 2018 erst in âwenigen LĂ€ndernâ die SuizidprĂ€vention eine PrioritĂ€t in der Gesundheitspolitik, lediglich 38 Staaten hĂ€tten ĂŒberhaupt eine PrĂ€ventionsstrategie.cite-ref-whofactsheet-3-4[3]
Als eigenstÀndige Wissenschaft, die sich mit dem Suizid besonders aus psychiatrisch-medizinischer Sicht beschÀftigt, hat sich im 20. Jahrhundert die Suizidologie herausgebildet.
Benennung
Suizid wurde in Gesellschaften und Epochen unterschiedlich bewertet, was sich auch sprachlich ausdrĂŒckt. Im Deutschen sind vier Wörter verbreitet: Selbstmord, Suizid, Freitod und Selbsttötung.cite-ref-6[6] Innerhalb der Fachwelt ist Suizid etabliert.cite-ref-helmich-7-0[7]cite-ref-ntv1-8-0[8] Das Wort ist wie das bis ins 20. Jahrhundert benutzte neulateinische Wort Suicidiumcite-ref-9[9]cite-ref-10[10] ein Neologismus. Erstmals wurde das Wort 1897 von dem französischen Soziologen Ămile Durkheim verwendet.cite-ref-11[11] Historisch wurde fachsprachlich Tentamen suicidii fĂŒr Suizidversuch verwendet.cite-ref-12[12]cite-ref-13[13] Zu weiteren, nicht mehr gebrĂ€uchlichen Synonyma gehört auch lateinisch Propricidium.cite-ref-14[14]
Alltagssprachlich wird der Begriff Selbstmord gebraucht, wobei dieser Begriff von einigen Medien nicht verwendet und von einigen Fachleuten abgelehnt wird.cite-ref-helmich-7-1[7] Dem liegt zu Grunde, dass dieser Begriff eine Wertung impliziere und die juristische Definition von Mord nicht erfĂŒllt sei.cite-ref-ntv1-8-1[8] DarĂŒber hinaus sei Suizid ein komplexes PhĂ€nomen, welches neben den Suizidenten auch Dritte betreffen kann. Nach einem 2004 von Peter Helmich im Deutschen Ărzteblatt veröffentlichten Artikel erschwere die wertende Begrifflichkeit die Trauerarbeit der Hinterbliebenen.cite-ref-helmich-7-2[7] Nach Barbara Schneider, stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft fĂŒr SuizidprĂ€vention, trage das Tabu âSelbsttötungâ, welches durch den Gebrauch des Begriffs Selbstmord bestĂ€rkt wird, zur Erschwernis der PrĂ€ventionsarbeit bei.cite-ref-ntv1-8-2[8]
âDen Tod-UnglĂŒcklichen, Depressiven oder wahnhaft Gestörten gebĂŒhrt Respekt, Verstehen, Mitleid und therapeutisches BemĂŒhen; ihre Angehörigen bedĂŒrfen und verdienen MitgefĂŒhl [âŠ]. Kein Wort ist unangemessener als âSelbstmordâ fĂŒr ein solches Schicksal.â
â
Peter Helmich
:
Deutsches Ărzteblatt
Das Bedeutungsspektrum des zugrundeliegenden lateinischen Wortes caedere ist weiter gefasst als nur âtötenâ oder âmordenâ und umfasst in einem allgemeineren Sinn Handlungen wie âniederhauenâ und âfĂ€llenâ. Dies unterstreicht nach Helmich die unterschiedlichen Möglichkeiten der Einordnung.cite-ref-helmich-7-4[7] Trotzdem ist die umgangssprachliche Bezeichnung nach wie vor und neben diversen euphemistischen Formulierungen gĂ€ngig. Letztere lauten etwa âsich das Leben nehmenâ oder âHand an sich legenâ (statt sich suizidieren, Suizid begehen oder sich selbst töten) und stellen eine Möglichkeit zur Distanzierung dar.cite-ref-planetwissen-15-0[15]
Die Bezeichnung Selbsttötung wird amtssprachlich verwendet. Dabei bleibt der Unterschied zwischen Vorsatz und FahrlÀssigkeit (beispielsweise selbstverschuldeter Unfall mit Todesfolge) offen.
Selbstmord
Selbstmord ist die historisch Ă€lteste deutschsprachige Bezeichnung fĂŒr einen Suizid. Der ursprĂŒnglich nicht wertende Begriff ist keine eigentliche deutsche Wortschöpfung, sondern entstand als LehnĂŒbersetzung des neulateinischen suicidium im 17. Jahrhundert.cite-ref-16[gd 1] Das Wort Selbstmörder erschien im 16. Jahrhundert, erstmals bei Martin Luther als âsein selbs mörderâ (seiner selbst Mörder).cite-ref-books-r9sb9mc8dzoc-333-17-0[16]
Die indogermanische Wurzel des Wortes Mord bedeutet âaufgerieben werden, zerreibenâ (vgl. aus derselben Sprachwurzel mĂŒrbe und Schmerz).cite-ref-18[gd 2] Das Wort bedeutete ursprĂŒnglich âTodâ (vgl. das verwandte lateinische Wort mors fĂŒr âTodâ). Doch schon in altgermanischer Zeit hatte sich die Wortbedeutung bei vielen StĂ€mmen verschoben und stand fĂŒr âabsichtliche, heimliche Tötungâ.
1652 wurden durch John Donne die Begriffe self murder fĂŒr den verwerflichen Selbstmord und self-homicide fĂŒr den nicht von vornherein verwerflichen Suizid in der englischen Sprache etabliert.cite-ref-19[17]
Fritz Mauthner plĂ€dierte in seinem Wörterbuch der Philosophie (1923) dafĂŒr, den Begriff Selbstmord durch Freitod zu ersetzen: â[Ich bin] geneigt, den neuen, nicht ganz einwandfrei gebildeten Ausdruck Freitod â im D. W. noch nicht gebucht â dem alten und an die Sprache des Strafrechts erinnernden Worte Selbstmord vorzuziehen. [âŠ] Jean Paul konnte die Umformung Selbermord wagen; immer knĂŒpft die Vorstellung an die des Verbrechens an, wie es denn im Französischen bis nach der Mitte des 18. Jahrhunderts homicie de soi-mĂȘme hieĂ. Freitod erinnert mich, wie Freitreppe, Freistatt, an etwas, das ins Freie fĂŒhrt, das Freiheit gewĂ€hrt.âcite-ref-20[18]
In den mit der Erscheinung befassten Wissenschaften wird der Begriff Selbstmord heute meist abgelehnt,cite-ref-watzka-24-21-0[19] da in ihm eine Beurteilung der Tat gesehen wird, die nach allgemeiner Ansicht vermieden werden soll. Fred Dubitscher sagte, Selbstmord sei âkein Mord im eigentlichen Sinn und kein Verbrechenâ.cite-ref-22[20] Adrian Holderegger formulierte: âDieses Residuum eines religiösen Vorurteils und einer veralteten Rechtsauffassung hat in einem modernen Beurteilungsschema keinen Platz mehrâ.cite-ref-23[21]
Freitod
Die Bezeichnung Freitod geht davon aus, dass sich ein Mensch im Vollbewusstsein seines Geistes und selbstbestimmt tötet. Nach der Deutschen Gesellschaft fĂŒr SuizidprĂ€vention ist dies allerdings nicht der Fall. Ăberlebende eines Suizidversuchs berichteten, dass âsie sich zu diesem Zeitpunkt nicht frei gefĂŒhlt haben, Entscheidungen zu treffen.âcite-ref-ntv1-8-3[8]
Der Begriff wurde Anfang des 20. Jahrhunderts aus Friedrich Nietzsches Vom freien Tode gebildet, einem Kapitel in seinem Werk Also sprach Zarathustra.cite-ref-24[gd 3] Wer einen freien Tod vorhat, soll nach Nietzsche âzur rechten Zeitâ ein âedlesâ Sterben wĂ€hlen: âIn eurem Sterben soll noch euer Geist und eure Tugend glĂŒhn, gleich einem Abendroth um die Erde: oder aber das Sterben ist euch schlecht gerathen.âcite-ref-25[22]
Ein Beispiel fĂŒr einen Freitod aufgrund philosophischer ErwĂ€gungen kann im Tod des Sokrates gesehen werden, der auf eine Flucht verzichtete, das richterliche Urteil mit Respekt vor den Gesetzen annahm und bis zuletzt mit seinen Freunden philosophisch diskutierte. Auch Seneca, der bereits schwer krank gewesen war, nahm nach dem missglĂŒckten Anschlag auf Kaiser Nero sein Todesurteil im Geiste der Stoa als sittlich gleichgĂŒltiges Ding (Adiaphora) an und hat sich mit seinen Freunden mĂŒndlich und schriftlich ausfĂŒhrlich mit Sterben und Selbsttötung auseinandergesetzt. Dabei kritisierte er jene Philosophen, die Suizid zur SĂŒnde erklĂ€rten.
Der Philosoph Wilhelm Kamlah sprach von einem Entschluss zur Selbsttötung nach reiflicher Ăberlegung und aus innerer Ruhe und Freiheit heraus und bezeichnete es als ein Grundrecht.cite-ref-26[23] Der Philosoph Ludger LĂŒtkehaus plĂ€dierte ebenfalls dafĂŒr, die âFreiheit zum Todeâ zu respektieren.cite-ref-27[24]
Aus psychiatrischer Sicht handelt es sich um eine Form der rationalen BewÀltigung suizidaler Tendenzen, wie sie etwa der schwer traumatisierte Schriftsteller Jean Améry 1978 vorgenommen hatte.cite-ref-watzka-24-21-1[19]
Assistierter Suizid und Tötung auf Verlangen
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Hauptartikel
:
âBeihilfe zur Selbsttötung (assistierter Suizid)â im Artikel Sterbehilfe
Wenn der Suizid mit UnterstĂŒtzung durch eine andere Person vollzogen wird, spricht man je nach Tatherrschaft entweder vom âassistierten Suizidâ oder in der Rechtssprache von âTötung auf Verlangenâ oder âBeihilfe zum Suizidâ. Solche Formen der Sterbehilfe werden international kontrovers diskutiert und juristisch unterschiedlich geregelt. In der Geriatrie und Altenpflege wird eine Passive Sterbehilfe im Zusammenhang mit den Begriffen kĂŒnstliche ErnĂ€hrung und Sterbefasten oder Nahrungsverweigerung immer wieder thematisiert.
Mittelbarer Suizid
Ein vor allem historisches PhĂ€nomen ist der âmittelbare Suizidâ, der in der öffentlichen VerĂŒbung einer mit Todesstrafe versehenen Straftat bestand. Der Zweck war an sich die Selbsttötung, die im christlichen Glauben aber mit der ewigen Verdammnis bedroht war. Allerdings war es zum Tode Verurteilten möglich zu beichten, sodass sie nach der Religionslogik sĂŒndenfrei sterben konnten. Damit war es Menschen, die an ihrem Leben verzweifelten, möglich, die eigene Tötung durch das weltliche Gesetz zu erzwingen, ohne deswegen âin die Hölleâ zu kommen.cite-ref-29[26]
Ursachen
Heutige Ansichten
Die hĂ€ufigste Ursache fĂŒr einen Suizid bzw. Suizidversuch wird heute in diagnostizierbaren psychischen Erkrankungen gesehen. Je nach SchĂ€tzung werden ca. 90 % aller Suizide hierauf zurĂŒckgefĂŒhrt.cite-ref-30[27] Da die Diagnose hĂ€ufig erst nach einem erfolgreichen Suizid als Verdachtsdiagnose gestellt wird, ist diese Einteilung zumindest fragwĂŒrdig, da zur Diagnose nur die Suizidhandlung an sich und die Beschreibungen von Angehörigen herangezogen werden können. Letztere sind unter UmstĂ€nden unvollstĂ€ndig oder fehlerhaft, oder es wird einzelnen Begebenheiten im Nachhinein eine unangemessene Bedeutung beigemessen (Recall Bias). Andere Studien betrachten nur Patienten mit bereits bekannter psychischer Krankheit und zeigen ebenfalls einen hohen Anteil von psychisch Kranken an den Suiziden; tendenziell wird dieser hier sogar unterschĂ€tzt, weil viele psychische Erkrankungen nicht diagnostiziert werden. Suizid kommt demnach vor allem bei Depressionen und manisch-depressiven Erkrankungen gehĂ€uft vor.
Auch Arzneimittel können ein Verursacher suizidaler Gedanken sein. Meist ist die Basis der unerwĂŒnschten Arzneimittelwirkung die Steigerung oder das Auslösen einer Depression oder Psychose. Diese Nebenwirkung wurde bisher statistisch nachgewiesen bei Phosphordiesterasehemmern, Chinolonen, 5-Alpha-Reduktasehemmern, Bupropion und SSRI.cite-ref-31[28]
Suchterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen und chronische Schmerzen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, haben aber auch flieĂende ĂbergĂ€nge zur Depression. Den Suizid auslösende Faktoren können dann zwar Lebenskrisen wie die Trennung vom Partner, VersagensĂ€ngste oder der wirtschaftliche Ruin sein â als alleiniger Hintergrund eines Suizids kommt dies aber nur in ca. 5 bis 10 % der FĂ€lle vor. Trotzdem ist davon auszugehen, dass sowohl eine innere wie eine Ă€uĂere Ursache fĂŒr eine Depression besteht, das heiĂt, ein fĂŒr Depressionen anfĂ€lliger Patient wird durch seine LebensumstĂ€nde depressiv.
Studien der Psychiatrischen UniversitĂ€tsklinik ZĂŒrich zeigen, dass tatsĂ€chlicher wie auch drohender Verlust des Arbeitsplatzes der Auslöser bei rund 20 % aller Selbsttötungen ist. Dabei wurden fĂŒr die Jahre 2000 bis 2011 aufgrund von WHO-Daten 233.000 Suizide in 63 LĂ€ndern untersucht. 45.000 von ihnen standen in unmittelbarem oder mittelbarem Zusammenhang mit einem Verlust des Arbeitsplatzes. Zudem geht generell der Anstieg der Suizidrate einer höheren Arbeitslosigkeitsquote um etwa ein halbes Jahr voraus.cite-ref-32[29]cite-ref-33[30]
Eine schwedische Studie zeigt, dass das Suizidrisiko fĂŒr Erwachsene, die als Jugendliche nicht körperlich fit waren, erhöht ist. Vor allem, wenn neben einer fehlenden körperlichen Fitness auch eine kognitive BeeintrĂ€chtigung besteht, ist die SuizidgefĂ€hrdung stark erhöht.cite-ref-doi10-1017-s0033291713001207-34-0[31]
Teilweise wird der Suizid als ein letzter Ausweg eines Menschen aus einem Leben angesehen, das von körperlichem oder psychischem Schmerz und Leiden bestimmt ist, welche sich mit den Mitteln der Medizin nicht lindern lassen; hierzu zĂ€hlen auch tödlich verlaufende Erkrankungen, die zum Wunsch des Suizidenten fĂŒhren, den Sterbeprozess abzukĂŒrzen. Auslösende Faktoren sind auch vom Kulturkreis abhĂ€ngig. Beispielsweise ist der sogenannte Gesichtsverlust in Asien als Motiv fĂŒr Suizide bekannt.
Historische Deutungen
1897 analysierte der Soziologe Ămile Durkheim die sozialen ZusammenhĂ€nge der Selbsttötung auf empirischer Grundlage mit seinem Werk ĂŒber den Suizid (Le suicide). Er unterschied zwischen dem egoistischen, dem altruistischen, dem anomischen und dem fatalistischen Suizid.
Sigmund Freuds Postulat eines Todestriebs in seiner Schrift Jenseits des Lustprinzips (1920) hat mit dem Suizid allenfalls am Rande etwas zu tun. Vielmehr begriff Freud den âTodestriebâ ganz allgemein als zerstörerischen Aspekt des Lebens, der auch schon bei Einzellern und Tieren vorzufinden sei. Das Konzept des Todestriebs, das Freud selbst als âSpekulationâ bezeichnete, war auch unter den AnhĂ€ngern der Psychoanalyse von Anfang an umstritten.
Fritz Mauthner verglich in seinem Wörterbuch der Philosophie (1923) den Suizidenten mit einer an der Ufermauer stehenden Katze, die, weil sie von heiĂen Eisenstangen umzingelt ist, ins fĂŒr sie tödliche Wasser springt. Wie die Katze, die sonst schwere Verbrennungen erlitten hĂ€tte, töten wir uns selbst also nur dann, wenn wir das Weiterleben als unerwĂŒnschter einschĂ€tzen als den Tod. Dann erst entstehe die Möglichkeit, dass bewusste Motive stĂ€rker als der Instinkt zur Selbsterhaltung werden.cite-ref-35[32]
Tausende von Texten aller Art ĂŒber verschiedenste Aspekte des Suizids hat 1927 Hans Rost in einer Bibliographie zusammengestellt. Die âSuizid-Bibliothekâ aus Rosts Nachlass steht heute in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, weite Teile davon sind auch auf Mikroform verfĂŒgbar (siehe Literatur).
Alfred Hoche (1865â1943) prĂ€gte den Begriff âBilanzsuizidâ fĂŒr eine Selbsttötung nach rationaler AbwĂ€gung der LebensumstĂ€nde. Bilanzsuizide im Sinne einer rational kalkulierten Entscheidung entsprechen einem subjektiven Empfinden. Viktor Frankl sprach sich daher dafĂŒr aus, die Bezeichnung âBilanzsuizidâ ausschlieĂlich fĂŒr die Sicht des Betroffenen zu verwenden.cite-ref-36[33]
SuizidprÀvention
Oft wird ein Suizid vorher angekĂŒndigt. DarĂŒber hinaus gibt es einige Zeichen, die einem Suizid vorausgehen können. Erwin Ringel fĂŒhrte fĂŒr drei solcher Symptome (Einengung des Denkens, Aggressionshemmung bzw. Aggressionsumkehr und Suizidfantasien) den Begriff prĂ€suizidales Syndrom ein.
Psychologen vertreten den Standpunkt, dass solche AnkĂŒndigungen und Warnzeichen ernst zu nehmen seien und der Betroffene beim Verdacht einer SuizidalitĂ€t offen darauf angesprochen werden solle. Sie argumentieren, dass Menschen, die durch Suizid sterben wollen, meist niemanden finden, mit dem sie ĂŒber diese Gedanken sprechen könnten. Ein zentraler Punkt der Prophylaxe bestehe deshalb darin, Menschen zu helfen, ĂŒber ihre Probleme und Suizidgedanken zu reden (âSuizidpaktâ), damit sie nicht in eine noch stĂ€rkere Isolation geraten. Aus diesem Gedanken heraus entstand in den 1950er Jahren die Telefonseelsorge als Einrichtung der SuizidprĂ€vention.
Das âNĂŒrnberger BĂŒndnis gegen Depressionâ, geleitet von dem Psychiater Ulrich Hegerl, untersuchte 2001 bis 2002, ob eine AufklĂ€rungs- und Fortbildungskampagne ĂŒber die Depression Suizide und Suizidversuche verhindern kann. Auf vier sich ergĂ€nzenden Interventionsebenen wurden HausĂ€rzte geschult, eine professionelle PR-Kampagne gestaltet, Multiplikatoren wie Lehrer, Journalisten, Pfarrer und Pflegepersonal angesprochen und weitergebildet sowie HilfsmaĂnahmen und Informationsmaterialien fĂŒr Betroffene und Angehörige angeboten. Nach zwei Jahren Intervention (2001 und 2002) ging die Gesamtzahl der Suizide und Suizidversuche im Vergleich zum Kontrolljahr 2000 und zur Kontrollregion WĂŒrzburg signifikant um 24 % zurĂŒck. FĂŒr Suizide allein war kein statistisch signifikanter Nachweis möglich, da die untersuchte Region und damit die Zahl der Suizide zu klein war und die zufĂ€lligen jĂ€hrlichen Schwankungen zu stark.
Der österreichische Psychiater Erwin Ringel untersuchte Methoden, Suizide zu verhindern, und grĂŒndete 1948 in Wien das weltweit erste Zentrum zur SuizidprĂ€vention. Zudem veranlasste er 1960 die GrĂŒndung der International Association for Suicide Prevention (IASP)cite-ref-37[34] und wurde deren erster Vorsitzender. Gernot Sonneck fĂŒhrt die Suizidforschung in Ăsterreich weiter und grĂŒndet mit seinen Mitarbeitern 2007 die Wiener WerkstĂ€tte fĂŒr Suizidforschung.cite-ref-38[35]
Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr SuizidprĂ€vention (DGS) bietet Hintergrundinformationen zum gesamten Themenfeld Suizid: PrĂ€vention, Forschung, Praxishinweise, Literatur, Hilfeeinrichtungen und Ăhnlichem. Im Dezember 2002 grĂŒndete diese Gesellschaft eine Initiativgruppe Nationales SuizidprĂ€ventionsprogramm fĂŒr Deutschland. Bei dieser arbeiten ĂŒber 70 Organisationen und fast 200 Experten mit. Sie versteht SuizidprĂ€vention nicht nur als gesundheitspolitische, sondern auch als eine gesellschaftliche Aufgabe. Mitte August 2011 sprach sich Gerd Storchmann vom Berliner Verein NEUhland fĂŒr suizidgefĂ€hrdete Jugendliche nach dem gemeinsamen Suizid dreier MĂ€dchen in der NĂ€he von Cloppenburg dagegen aus, Internetforen zum Thema Suizid, durch die die drei sich möglicherweise kennengelernt hatten, âgrundsĂ€tzlich zu verdammenâ; diese mĂŒssten nicht immer negative Effekte haben.cite-ref-39[36]
Als SuizidprĂ€vention verstehbar (freilich zu Belastungen fĂŒr Mitmenschen fĂŒhrend, etwa durch Schienensuizid oder Sturz in die Tiefe) sind
âą das Fehlen von Ratgeber-Literatur mit sachlicher Information ĂŒber schmerzfreie und rĂŒcksichtsvolle Methoden der Selbsttötung und
⹠die Behinderung von Beihilfe zur Selbsttötung durch standesrechtliche und gesetzliche Vorschriften.
Im Jahr 2003 wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstmals der 10. September als Welt-Suizid-PrĂ€ventionstag ausgerufen. Mit diesem jĂ€hrlichen Aktionstag soll in der Ăffentlichkeit auf dieses Tabuthema aufmerksam gemacht werden, da Suizide nach Auffassung der WHO eines der gröĂten Gesundheitsprobleme der Gegenwart darstellen.
Als PrĂ€vention sind einige GebĂ€ude mit hohen Aussichtsterrassen mit unbesteigbaren Gittern oder textilen Netzen ausgestattet. Im Juni 2014 wurde beschlossen, die Golden Gate Bridge, ein Bauwerk mit besonders vielen SuizidsprĂŒngen, mit einem waagrechten Netz auszustatten, das StĂŒrzende auffĂ€ngt. Am Empire State Building ist das GelĂ€nder bis zur Decke durch ein Gitter aufgestockt: der untere Bereich mit einem fĂŒr die Sicht gĂŒnstigen Gitter mit diagonal gekreuzten Streben, darĂŒber senkrechte Streben.cite-ref-40[37]
In einigen Staaten, wie bspw. SĂŒdkorea, werden U-Bahngleise durch sogenannte BahnsteigtĂŒren gesichert. Durch Einsatz dieser gehen Suizide im U-Bahnverkehr stark zurĂŒck.cite-ref-41[38] In Seoul wurden an den GelĂ€ndern der BrĂŒcken, die ĂŒber den Han-Fluss fĂŒhren, aufmunternde Worte und SprĂŒche angebracht, in der Hoffnung, Suizide zu verhindern. Diese in der Nacht beleuchtenden SĂ€tze stammten von BĂŒrgern der Stadt Seoul sowie ausgewĂ€hlten Stars. Die EffektivitĂ€t der MaĂnahme wird untersucht.cite-ref-42[39]
Zur Vermeidung von Nachahmungstaten (siehe Werther-Effekt) empfiehlt der Deutsche Presserat in einer 1997 erstmals veröffentlichten Richtlinie ZurĂŒckhaltung bei der Berichterstattung ĂŒber Suizidentencite-ref-43[40] (siehe Werther-Effekt: Reaktion der Medien). In SĂŒdkorea wurden 2013 neue Richtlinien zur Berichterstattung ĂŒber Suizide erlassen.cite-ref-44[41] Nach einer Studie von Jang et al. aus dem Jahr 2021 haben das SuizidprĂ€ventionsgesetz von 2012 und die dadurch angepassten Berichterstattungsrichtlinien zu einer Verringerung von Selbstmorden gefĂŒhrt.cite-ref-45[42]
Am UniversitĂ€tsklinikum Frankfurt wurde Ende 2024 die erste Professur fĂŒr Suizidologie und SuizidprĂ€vention in Deutschland eingerichtet.cite-ref-46[43]
SuizidprÀvention bei Jugendlichen:
Eine 2014 veröffentlichte Studie mit mehr als 44.000 Jugendlichen in Deutschland konnte insgesamt neun Faktoren identifizieren, die mit Suizidversuchen bei Jugendlichen in signifikantem Zusammenhang stehen. Es fanden sich acht Faktoren, die mit einem höheren Risiko fĂŒr Suizidversuche bei Jugendlichen einhergingen:cite-ref-donath2014-47-0[44]
âą weibliches Geschlecht
⹠eine Àrztlich gestellte ADHS-Diagnose
âą aktuell ein Raucher zu sein
âą innerhalb der letzten vier Wochen Rauschtrinken betrieben zu haben
âą elterliche Trennungserlebnisse, wie z. B. Scheidung sowie
⹠ein vernachlÀssigender Erziehungsstil in der Kindheit.
Der einzige Schutzfaktor, den Donath und Kollegen finden konnten, war ein autoritativer Erziehungsstil in der Kindheit.cite-ref-donath2014-47-1[44] Dieser senkte spĂ€ter das Risiko, dass Jugendliche ernsthaft versuchten, sich umzubringen. Die Forscher schlussfolgern aus diesen Erkenntnissen, dass der Erziehungsstil wesentlich ist und man hier schon sehr frĂŒhe PrĂ€ventionsansĂ€tze entwickeln könnte, die Merkmale und Umsetzung des autoritativen Erziehungsstils im Alltag umfassen. Weiterhin wird vorgeschlagen, bestehende und akzeptierte PrĂ€ventionsprogramme fĂŒr Jugendliche, die z. B. auf Substanzkonsum abzielen (siehe DrogenprĂ€vention), im Sinne der SuizidprĂ€vention zu erweitern.
Statistik
Weltweit
Siehe auch
:
Suizidrate nach LĂ€ndern
Nach dem Welt-Suizid-Report der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nahmen sich 2012 etwa 804.000 Menschen weltweit das Leben. Dies entspricht 11,4 pro 100.000 Menschen.cite-ref-who-2014-48-0[45] Im Jahr 2012 war Suizid nach VerkehrsunfĂ€llen die zweithĂ€ufigste Todesursache fĂŒr 15- bis 29-JĂ€hrige.cite-ref-who-2014-48-1[45]
Eine Ăbersicht ĂŒber die Suizidraten weltweit im Vergleich findet sich in der Liste der Suizidraten nach LĂ€ndern. Ein weltweiter Durchschnittswert ist aufgrund mangelhafter Datenlage nicht zu bestimmen. Innerhalb der OECD schwankte die Suizidrate (Suizide pro 100.000 Einwohner/Jahr) in den Jahren 1960 bis 2005 zwischen 11 und 16. Seit einem Spitzenwert von 16,0 im Jahr 1984 nahm die Suizidrate stetig ab und stand 2005 bei 11,4.cite-ref-puck-49-0[46] In der EuropĂ€ischen Union starben nach einer Meldung der EU-Kommission aus dem Jahr 2005 jĂ€hrlich 58.000 Menschen durch Suizid, wobei die meisten dieser FĂ€lle Personen betrafen, die an Depressionen litten. An anderen Todesursachen fĂŒhrt dieselbe Meldung jĂ€hrlich 50.700 Verkehrstote und 5.350 Opfer von Gewaltverbrechen an.
Die Suizidrate ist stark geschlechtsabhĂ€ngig; die Rate ist bei MĂ€nnern konsistent höher als bei Frauen. In wohlhabenden LĂ€ndern liegt der Anteil der MĂ€nner bei etwa 75 %, in Ă€rmeren bei etwa 60 %.cite-ref-who-2014-48-2[45] Bangladesch und China sind die einzigen LĂ€nder, in denen der Anteil der Frauen den der MĂ€nner ĂŒbersteigt.
Die höchste Suizidrate weltweit wird aus Sri Lanka gemeldet, mit 35,3 im Jahr 2015 (MĂ€nner 58,7; Frauen 13,6), die höchste Suizidrate unter Frauen aus SĂŒdkorea mit 16,4 im Jahr 2015 (MĂ€nner 40,4; Durchschnitt 28,3).cite-ref-suizide2015-50-0[47] Die höchste Suizidrate in Europa wurde in Litauen gemessen, mit 32,7 im Jahr 2015 (MĂ€nner 58,0, Frauen 11,2). Die geringsten gemeldeten Suizide erfolgten zum Ende des 20. Jahrhunderts in SĂŒdamerika, Afrika (insbesondere Ăgypten) und manchen asiatischen LĂ€nder.cite-ref-51[48]cite-ref-52[49] Die niedrigsten Suizidraten in Europa wurden in Griechenland gemessen, mit 4,3 im Jahr 2015 (MĂ€nner 7,1, Frauen 1,7) und in Albanien, mit ebenfalls 4,3 im Jahr 2015 (MĂ€nner 5,9, Frauen 2,7).cite-ref-suizide2015-50-1[47]
Die Suizidrate ist auch altersabhĂ€ngig, allerdings variiert diese AbhĂ€ngigkeit kulturell stark. Weltweit liegt sie bei Personen ab 70 Jahren am höchsten.cite-ref-who-2014-48-3[45] In SĂŒdkorea steigt die Suizidrate mit zunehmendem Alter stetig an, nimmt dagegen in Norwegen und Neuseeland ab, wĂ€hrend sie in LĂ€ndern mit niedriger Suizidrate wie Portugal, Griechenland oder Italien kaum eine AltersabhĂ€ngigkeit aufweist.cite-ref-puck-49-1[46]
Deutschland
Siehe auch
:
Liste der deutschen BundeslÀnder nach Suizidrate
HĂ€ufigkeit
Bei Suiziden ist im Allgemeinen eine hohe Dunkelziffer anzunehmen.
In Deutschland wird bei 1,1 % aller TodesfĂ€lle Suizid als Ursache amtlich festgestellt. TodesfĂ€lle mit Ă€uĂerer Ursache werden zu 31 % als Suizid, zu 60 % als Unfall klassifiziert, in den UnfĂ€llen enthalten: StĂŒrze 25 % und 17 % Verkehrstod.cite-ref-53[50]cite-ref-statbatod-54-0[destatis 1]cite-ref-statbabev-55-0[destatis 2]
Seit dem Jahr 2000 werden in Deutschland 9.000 bis 11.000 Suizide pro Jahr registriert, das sind 11 je 100.000 Einwohner und Jahr.cite-ref-56[51] Die Zahl der Suizide in Deutschland sank seit 1980, wobei von 2007 bis 2014 eine Stagnation zu sehen war.
Als GrĂŒnde fĂŒr VerĂ€nderungen werden die Krankheitslast durch psychische Störungen, speziell Depressionen,cite-ref-b72-stabu13-57-0[52] eine verbesserte fachĂ€rztliche Versorgung, die Enttabuisierung psychischer Erkrankungen und Probleme der methodischen Erfassung angesehen. So wurde in der Zwischenzeit die Kategorie der âunklaren Todesursacheâ eingefĂŒhrt,cite-ref-58[53] und unter den vermeintlichen 1.000 Drogentoten pro Jahr dĂŒrfte es ebenfalls eine hohe Anzahl von Suizidenten geben, ganz abgesehen von denen, die an Alkohol-Missbrauch (>70.000) und als Folge des Tabakrauchens (>110.000) starben.cite-ref-59[54] Eine realistische SchĂ€tzung der tatsĂ€chlichen Suizidzahlen ist ĂŒber der statistisch erfassten Anzahl anzusiedeln.cite-ref-60[55]
Nach der Veröffentlichung von Goethes Roman Die Leiden des jungen Werthers war es 1774 zu einer Suizidwelle gekommen, wobei zahlreiche Tode deutlich als Nachahmung der Roman-Vorlage erkennbar waren. In der wissenschaftlichen Literatur werden die Nachahmer-Suizide deswegen als âWerther-Effektâ bezeichnet. Inzwischen haben zahlreiche Studien (wie beispielsweise zweimalige Zunahme nach der Erstausstrahlung und Wiederholung des Filmes Tod eines SchĂŒlers) einen Zusammenhang zwischen der Berichterstattung ĂŒber Suizide und einem Anstieg der Taten bestĂ€tigt. Deswegen mahnt der Deutsche Presserat die Medien in seinem Kodex bei der Berichterstattung ĂŒber Suizide zur ZurĂŒckhaltung.cite-ref-61[56] Die mediale Berichterstattung ĂŒber den Suizid des FuĂball-TorhĂŒters Robert Enke hatte womöglich einen Einfluss auf die Anzahl der Suizide 2009.cite-ref-62[57] Diese Deutung wird jedoch durch den ebenso starken Anstieg 2010 und den weiteren Anstieg auch 2011 relativiert.cite-ref-b72-stabu13-57-1[52]
Region
Innerhalb Deutschlands bestehen signifikante regionale Unterschiede. Die Anzahl der Suizide je 100.000 Einwohner und Jahr in verschiedenen BundeslĂ€ndern unterscheidet sich bis zum Faktor 2.cite-ref-63[58]cite-ref-64[destatis 3] Ăhnlich groĂe Unterschiede (Faktor 1,5) finden sich auch bei anderen Aufteilungen von Deutschland in die frĂŒhere Bundesrepublik und neue LĂ€nder einschlieĂlich Ost-Berlin.cite-ref-65[59]cite-ref-66[60]cite-ref-67[destatis 4]cite-ref-grashoff2006-68-0[61] Forscher fĂŒhren dies jedoch weniger auf die Gesellschaftsordnung zurĂŒck, da das Territorium der DDR hauptsĂ€chlich Gebiete wie Sachsen und ThĂŒringen umfasste, die schon im Deutschen Reich erhöhte Suizidraten aufwiesen.cite-ref-grashoff2006-68-1[61] Sachsen, Sachsen-Anhalt und ThĂŒringen gehören aktuell weiterhin zu den BundeslĂ€ndern mit erhöhten Suizidraten.cite-ref-69[62]
Alter und Geschlecht
Die Sterblichkeit durch Suizid ist sehr stark abhĂ€ngig von Alter und Geschlecht. So waren Kinder im Jahr 2007 mit einer Sterblichkeit von weniger als 0,3 je 100.000 Einwohner betroffen. In der Gruppe der 15- bis 19-JĂ€hrigen betrug die Sterblichkeit 2,1 (weiblich) bzw. 6,2 (mĂ€nnlich) je 100.000 Einwohner und stieg bei den 85-JĂ€hrigen und Ălteren auf 18 bzw. 69 je 100.000 Einwohner. Der Anteil von Selbsttötungen an den Todesursachen erreicht dennoch bei jungen Erwachsenen sein Maximum, da deren Sterblichkeit durch Krankheit sehr niedrig ist. In der Altersgruppe der 15- bis 35-JĂ€hrigen war Suizid Ursache in einem von sechs TodesfĂ€llen (17 %). Insgesamt betrug die Suizidsterblichkeit von weiblichen Personen 5,7, von mĂ€nnlichen 17 je 100.000 Einwohner. Von den 9.402 Suiziden wurden 7009 (74,5 %) von MĂ€nnern ausgefĂŒhrt. Wegen der bei Frauen schneller abnehmenden Suizidzahlen hat dieser Anteil steigende Tendenz.cite-ref-statbatod-54-1[destatis 1]cite-ref-statbabev-55-1[destatis 2]
Jahreszeit
Die Zahl der Suizide ist auch einer jahreszeitlichen Schwankung unterworfen. 2006 nahmen sich wĂ€hrend der FrĂŒhlings- und Sommermonate mehr Menschen das Leben als wĂ€hrend der Herbst- und Wintermonate. Von MĂ€rz bis Juli lag der Anteil an den Suiziden des Jahres ĂŒber dem Anteil des Monats am Jahr, besonders deutlich im Mai und Juli, von August bis Februar lag der Suizidanteil dagegen gleichmĂ€Ăig unter den Jahresanteilen.cite-ref-70[destatis 5]
Berufsgruppen, soziale Gruppen
Die Suizidrate von Ărzten ist bis zu 3,4-mal höher als die anderer BĂŒrger, bei Ărztinnen ist die Rate bis zu 5,7-mal erhöht.cite-ref-71[63] Neben der berufsbedingten dauerhaften BeschĂ€ftigung mit belastenden Themen wie Krankheit und Tod ist eine mögliche ErklĂ€rung fĂŒr diese hohe Rate, dass Ărzte sowohl die Expertise als auch Zugang zu Mitteln zur AusfĂŒhrung eines Suizids besitzen, ĂŒber die andere Bevölkerungsgruppen seltener verfĂŒgen.
In Strafvollzugsanstalten ist der Suizid die hĂ€ufigste Todesursache. Auch der prozentuale Anteil an der sozialen Gruppe ĂŒbersteigt den anderer Gruppen deutlich.cite-ref-72[64] Es gab 1987 Angaben von einer zehn Mal höheren Rate. Im selben Jahr nahm das Bundesverfassungsgericht die Verfassungsbeschwerde des Strafgefangenen GĂŒnther Adler nicht an, der aufgrund der selbst angenommenen âAussichtslosigkeitâ seines Lebens vom Staat Hilfe zur Selbsttötung einklagen wollte.cite-ref-73[65]
Methoden
Bei den Suiziden in Deutschland wurden folgende Todesursachen erfasst:cite-ref-74[66]
âą Sturz in die Tiefe 10 %
âą Vergiftung durch Medikamente oder andere chemische Stoffe 8 %
âą Sich vor fahrende ZĂŒge oder Autos werfen (Schienensuizid, StraĂensuizid) 6 %
âą Vergiftung durch Gase (meist Kohlenstoffmonoxid) 5 %
âą ErschieĂen (meist Kopfschuss) 5 %
MĂ€nner griffen hĂ€ufiger zu den sogenannten âhartenâ Suizidmethoden des ErhĂ€ngens, Erdrosselns oder Erstickens als Frauen, die wiederum hĂ€ufiger âweicheâ Methoden wie eine Vergiftung mit einer Ăberdosierung von Medikamenten etc. anwendeten.cite-ref-75[67]cite-ref-76[destatis 6]
Im Jahr 2008 nahmen sich auf deutschen Bahnstrecken 714 Menschen das Leben, im Jahr 2009 waren es laut Bericht des Eisenbahn-Bundesamtes 875.cite-ref-77[68]
Suizidversuche
Die Zahl der Suizidversuche liegt gegenĂŒber den vollendeten Suiziden geschĂ€tzt um einen Faktor 10â20 höher.cite-ref-78[69]cite-ref-ntv1-8-4[8] Auch hier ist mit hohen Dunkelziffern zu rechnen. Der Einfluss von Alter und Geschlecht ist gegenĂŒber den vollendeten Suiziden genau umgekehrt. Bei jungen Frauen ist die HĂ€ufigkeit von Suizid-Versuchen am gröĂten, bei Ă€lteren MĂ€nnern am niedrigsten. Stichproben-SchĂ€tzungen fĂŒr Deutschland ermittelten fĂŒr 2001 fĂŒr Frauen 131 und fĂŒr MĂ€nner 108 Versuche je 100.000 Einwohner. FĂŒr 15- bis 24-jĂ€hrige Frauen werden bis zu 300 Versuche je 100.000 Einwohner geschĂ€tzt. Insgesamt dominieren bei den Suizidversuchen weiche Methoden der Vergiftung (78 % weiblich, 59 % mĂ€nnlich) gefolgt von der Verwendung schneidender oder stechender GegenstĂ€nde (14 % weiblich, 23 % mĂ€nnlich). Die Intention der Suizidversuche korreliert signifikant mit dem Alter: Bei JĂŒngeren dominieren parasuizidale Gesten und Pausen, bei Ălteren liegen eher Suizidversuche im engeren Sinn, das heiĂt mit Tötungsabsicht, vor.cite-ref-epi-79-0[70]
Ăsterreich
In der Zwischenkriegszeit von 1919 bis 1939 gab es in Ăsterreich zwischen 30 und 40 Suizide je 100.000 Einwohner und Jahr. FĂŒr die Jahre 1940 bis 1945 liegen keine Daten vor. Im Jahr 1945 wurde mit 60 Suiziden je 100.000 Einwohner (absolut 4500) eine auĂergewöhnlich hohe Suizidrate verzeichnet.
Die Suizidraten nach 1945 schwanken zwischen 20 und 30 Suiziden je 100.000 Einwohner, bei absolut 1500 bis ĂŒber 2000 Suiziden pro Jahr. Aufgrund dieser Zahlen gilt Ăsterreich im internationalen Vergleich als ein Land mit mittlerer (10â20) bis hoher (ĂŒber 20) Suizidrate. Zwischen 1945 und 1986 kam es zu einem deutlichen Anstieg der Rate von 20 auf 28 Suizide je 100.000 Einwohner. Danach war die Zahl rĂŒcklĂ€ufig und fiel 1999 auf rund 19 Suizide je 100.000 Einwohner. Die Suizidraten entwickeln sich regional höchst unterschiedlich, wĂ€hrend sie zum Beispiel in Wien seit 1986 zurĂŒckgehen, steigen sie in Tirol und Oberösterreich seit 1991 an.
Die Selbsttötungsrate von MĂ€nnern ist in Ăsterreich doppelt so hoch wie die von Frauen und steigt mit zunehmendem Alter. WĂ€hrend mĂ€nnliche Jugendliche bis zum 15. Lebensjahr eine Suizidrate von 2 haben, haben gleichaltrige MĂ€dchen eine Suizidrate von 1. Mit 85 Lebensjahren betrĂ€gt die Suizidrate bei MĂ€nnern jedoch 120, bei Frauen dagegen nur 33. Die Suizidraten von MĂ€nnern ĂŒber 85 sind wie in Deutschland besonders hoch, ihre Rate liegt 140 % ĂŒber jener der 60- bis 64-JĂ€hrigen.
Unter GefĂ€ngnisinsassen, die allerdings weit ĂŒberwiegend mĂ€nnlich und tendenziell Ă€lter sind, herrscht eine hohe Selbstmordrate. Eine Quelle nennt 20 Suizide pro 8800 Gefangene, also eine Rate von 227/100.000.cite-ref-80[71] Der BriefbombenattentĂ€ter Franz Fuchs versuchte einen Suizid durch Rohrbombe bei seiner Festnahme 1997, sprengte sich dabei beide HĂ€nde kaputt und erhĂ€ngte sich 2000 in Einzelhaft. Der Mörder Jack Unterweger wurde 1990 vorzeitig auf BewĂ€hrung aus der Haft entlassen, im Jahr 1994 wegen weiterer 9 Morde verurteilt und erhĂ€ngte sich in der Folgenacht in der Zelle.
FĂŒr die Arrestzelle der Kaserne Hörsching im GebĂ€ude der Wache an der Haupteinfahrt wurde um 1985 die Vorschrift, die SchuhbĂ€nder auĂerhalb der Zelle zu belassen, streng vollzogen, wohl um Strangulation zu vereiteln. Ein kleiner Rucksack mit 2,5 cm breiten Schulterriemen wurde jedoch in der Zelle toleriert.
Im Polizeianhaltezentrum (PAZ, ehemals Polizeigefangenenhaus) Graz werden SchnĂŒrschuhe im Allgemeinen toleriert, ein Rucksack in der Zelle ist allerdings tabu (2000 und 2019). In den Zellen sind Zigaretten, Feuerzeug und das Rauchen erlaubt. Mitunter brennt es durch Unfall oder Brandlegung, Gefangene können dann aus einer meist versperrten Zelle nicht flĂŒchten, nicht alle Zellen haben Rauchmelder, auf das BetĂ€tigen der Klingel oder Sprechanlage reagiert die Wache oft minutenlang nicht. Im PAZ Bludenz wurde â 3 Stunden nach seiner nĂ€chtlichen Einlieferung, nach Alarm durch den Brandmelder â am 7. April 2017 ein 28-jĂ€hriger Ăsterreicher, der eine 14-Tage-Verwaltungsstrafe absitzen sollte, aus seiner brennenden Zelle gezogen, er starb nach 8 Wochen Koma und konnte nicht befragt werden. Die Polizei nimmt Brandlegung an.cite-ref-81[72]cite-ref-82[73] 2015 starb ein Spanier (28) im PAZ Villach in seiner um 6 Uhr morgens mit Brandrauch verqualmten Zelle. Auch hier bleibt die Ursache unklar.cite-ref-83[74]
Die Zahl der Suizidversuche kann wegen der schwierigen Datenerhebung nur geschĂ€tzt werden. Hochrechnungen haben eine Zahl von rund 25.000 bis 30.000 Suizidversuchen pro Jahr ergeben. Dabei handelt es sich vorwiegend um Vergiftungen (vor allem mit Alkohol) und MedikamentenĂŒberdosierungen.
Die hĂ€ufigste Suizidmethode bei MĂ€nnern und Frauen in Ăsterreich ist das ErhĂ€ngen. Rund 40 % der Suizide von Frauen erfolgen durch ErhĂ€ngen, 25 % durch Vergiften und 14 % durch Sturz aus der Höhe. Bei MĂ€nnern erhĂ€ngen sich fast 50 % der Suizidenten, ungefĂ€hr 20 % erschieĂen sich und rund 10 % vergiften sich.cite-ref-84[75]
Schweiz
2014 starben in der Schweiz etwas ĂŒber 1.000 Menschen durch Suizid (ca. 750 MĂ€nner und 275 Frauen). Dies entspricht einer jĂ€hrlichen Suizidrate von 20 pro 100.000 MĂ€nnern und 7 pro 100.000 Frauen.cite-ref-85[76] Im Jahr 2017 haben 1.043 Menschen Suizid begangen; weitere 1.009 Menschen haben assistierten Suizid begangen.cite-ref-86[77]cite-ref-87[78] Im Jahr 2023 begingen in der Schweiz 995 Personen Suizid (721 MĂ€nner und 274 Frauen). Zudem wurden 1729 assistierte Suizide vollzogen (693 MĂ€nner und 1036 Frauen).cite-ref-88[79]
Die zwischen 1969 und 2000 erfolgten Suizide wurden auf folgende Arten vollzogen:cite-ref-89[80]
⹠ErhÀngen 25 %
âą Schusswaffen 24 %
âą Vergiftung durch feste oder flĂŒssige Substanzen 14 %
âą HerunterstĂŒrzen 10 %
âą Ertrinken 9 %
âą Schienensuizid 7 %
âą Vergiftung durch Gase 6 %
âą Schneiden, Stechen 2 %
Frankreich
In Frankreich ist die Suizidrate deutlich höher als in Deutschland (siehe Liste Suizidrate nach LĂ€ndern). Etwa 2006 betrug sie 18 pro 100.000; in Deutschland unter 12 pro 100.000.cite-ref-welt-90-0[81] Laut der französischen UNPS (Union Nationale pour la PrĂ©vention du Suicide) töten sich seit vielen Jahren ĂŒber 10.000 Menschen pro Jahr in Frankreich selbst;cite-ref-91[82] Alkoholkonsum in Lebenskrisen senke bei vielen Menschen die Hemmschwelle, einen Suizid auszufĂŒhren.
Erscheinungsformen
Alterssuizid
Die SuizidalitĂ€t nimmt in Europa mit dem Alter zu.cite-ref-92[83] In Deutschland beispielsweise steigt die Suizidrate ab dem 70. Lebensjahr deutlich an und erreicht bei ĂŒber 85-JĂ€hrigen ĂŒber 35 Suizide je 100.000 Einwohner.cite-ref-93[84] Ein Teil der Senioren leidet (tatsĂ€chlich oder vermeintlich) an einer schweren Erkrankung; bei ihnen kommt es zu Selbstaufgabe-Suiziden. Diese können auf dem Wege erfolgen, dass ein Mensch seine Nahrungs- und/oder FlĂŒssigkeitsaufnahme bewusst reduziert oder ganz einstellt. FĂŒr Angehörige und Pflegende entsteht dabei oft eine ethische Konfliktsituation zwischen Respekt vor der Entscheidungsfreiheit und der Furcht, der Tod durch Durst oder Hunger könnte unfreiwillig erfolgen.
Depression (Krankheit) ist eine hĂ€ufige Ursache fĂŒr Suizidgedanken im Alter. Depressionen sind in jeder Altersstufe, also auch bei Hochaltrigen, mit vergleichbaren Erfolgsaussichten behandelbar. Sowohl Psychotherapie als auch medikamentöse Therapien haben sich als wirksam erwiesen.cite-ref-94[85]
Allerdings wird die Diagnose âAltersdepressionâ derzeit nur bei 10 bis 20 % der Betroffenen gestellt und noch seltener adĂ€quat behandelt.cite-ref-95[86]
Es gibt die Auffassung, dass auch depressive Menschen einen freien Willen haben und entscheiden können; es sei ihnen deshalb zuzugestehen, dass sie, wie andere Kranke, heilende oder leidenmindernde therapeutische Eingriffe ablehnen. Dennoch ist es wichtig, depressive Symptome ernst zu nehmen und entsprechende Behandlungsangebote zu nutzen, um die LebensqualitÀt der Betroffenen zu verbessern und Suizidrisiken zu minimieren.
Suizidbeihilfe
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Hauptartikel
:
Sterbehilfe
Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Humanes Sterben geht davon aus, dass es in Deutschland zahlreiche Patientensuizide gibt. Zum Teil sieht sie es als eine ihrer Aufgaben, individuell und gesellschaftlich dafĂŒr UnterstĂŒtzung zu leisten. Ethisch wird darĂŒber unterschiedlich geurteilt.
Weitere sogenannte Suizidbeihilfe-Organisationen haben sich etwa seit 2000 in Deutschland gegrĂŒndet.cite-ref-96[87] In der Folge wurde in Deutschland am 3. Dezember 2015 ein Gesetz erlassen (BGBl. I S. 2177), welches die geschĂ€ftsmĂ€Ăige Förderung der Selbsttötung durch den neu gefassten § 217 Strafgesetzbuch (StGB) unter Strafe stellte. Am 26. Februar 2020 erklĂ€rte das Bundesverfassungsgericht diesen Paragrafen fĂŒr verfassungswidrig und somit nichtig.cite-ref-97[88]
Die katholische PrĂ€gung des Landes spielt eine bedeutende Rolle in der öffentlichen Meinung und Gesetzgebung zu diesem Thema. Begriffe wie âEuthanasieâ sind in Polen negativ konnotiert, was die gesellschaftliche Akzeptanz und die politische Diskussion erschwert.cite-ref-99[90]
Trotz des Verbots der Sterbehilfe verfĂŒgt Polen ĂŒber ein ausgedehntes Netzwerk von Hospizen und Palliativeinrichtungen, die Sterbenden UnterstĂŒtzung bieten. Das Forum Polnischer Hospize listet ĂŒber 450 solcher Einrichtungen auf, wobei ein besonderer Fokus auf der hĂ€uslichen Betreuung liegt.
Die Diskussion ĂŒber Sterbehilfe in Polen bleibt ein sensibles und kontroverses Thema, beeinflusst von ethischen, religiösen und kulturellen Ăberzeugungen. Aktuell gibt es keine Bestrebungen, die bestehenden Gesetze zu Ă€ndern.
Doppelsuizid
Allgemein ist beim Doppelsuizid das Vorgehen ohne professionelle UnterstĂŒtzung gegen eine Ă€rztlich assistierte Sterbehilfe abzugrenzen, die nur in wenigen LĂ€ndern, wie den Niederlanden, Deutschland, Kanada oder Kolumbien legal ist.cite-ref-100[91]
Die Grenze zu einem Alterssuizid aus gesundheitlichen GrĂŒnden ist oft flieĂend, wie der Bericht eines Ehepaares zeigt, das sich von Journalisten durch die letzten Monate begleiten lieĂ. Dabei sei es, nach Ansicht der Psychiaterin und Politikerin Kirsten Kappert-Gonther, eine politische Herausforderung, sicherzustellen, dass die finanzielle Belastung von Angehörigen durch hohe Pflegekosten nicht die Entscheidung Ă€lterer Menschen beeinflusst, die ihren Angehörigen nicht zur Last fallen wollen.cite-ref-101[92]
Vom Doppelsuizid mĂŒssen FĂ€lle unterschieden werden, in denen eine lebensmĂŒde Person eine andere lebensmĂŒde Person tötet und danach Suizid begehen will; in diesem Fall kann sie bei dessen Misslingen wegen Tötung auf Verlangen (gemÀà § 216 StGB) bestraft werden.cite-ref-102[93]cite-ref-103[94]
Beispiele fĂŒr Doppelsuizid
âą Stefan Zweig und seine Frau Charlotte starben 1942 im brasilianischen Exil durch Doppelsuizid mittels Medikamenteneinnahme. Charlotte Zweig wartete den Tod ihres Mannes ab, bevor sie sich selbst eine Ăberdosis verabreichte.cite-ref-104[95]
âą Adolf Hitler und seine Frau Eva töteten sich am Nachmittag des 30. April 1945 im FĂŒhrerbunker der Neuen Reichskanzlei gemeinsam. Beide vergifteten sich mit Kaliumcyanid; Adolf Hitler schoss sich auĂerdem in die SchlĂ€fe.cite-ref-105[96]
âą Berta Bobath und ihr Mann Karel Bobath, die als Therapeuten zusammen das in der Rehabilitation eingesetzte Bobath-Konzept begrĂŒndeten, nahmen sich durch eine Ăberdosis gemeinsam das Leben. Beide waren weit ĂŒber 80 Jahre alt und litten, als sie sich 1991 in ihrer Wohnung in London suizidierten, bereits unter starken, gesundheitlichen EinschrĂ€nkungen.cite-ref-106[97]
Beispiele fĂŒr Suizid und Tötung auf Verlangen
âą Heinrich von Kleist tötete am 21. November 1811 am Kleinen Wannsee bei Berlin auf deren Wunsch erst Henriette Vogel und dann sich selbst. Doch da Kleist seine todeswillige, an GebĂ€rmutterkrebs erkrankte geistige Freundin tötete, war es kein âDoppelsuizidâ. Es war eine Tötung auf Verlangen der Henriette Vogel durch Kleist (vgl. §§ 778, 779, 833 und 834 ALR, heute unterfiele die Tat § 216 StGB).cite-ref-107[98]
âą In der Nacht zum 30. Januar 1889 starben auf Schloss Mayerling der österreichisch-ungarische Thronfolger, Kronprinz Rudolf, und seine Geliebte Mary Vetsera. Die nĂ€heren UmstĂ€nde sind bis heute ungeklĂ€rt, da der Wiener Hof SchlĂŒsseldokumente vernichtet und Zeitzeugen zum lebenslangen Schweigen verpflichtet hat. Nach dem aktuellen Stand der Forschung erschoss der von Depressionen geplagte 30-jĂ€hrige Rudolf zunĂ€chst die 17-jĂ€hrige Baronesse Vetsera, ehe er sich selbst durch einen Kopfschuss tötete.
âą Hans Fallada verabredete 1911 in Rudolstadt mit seinem Freund Hanns Dietrich von Necker eine gemeinsame Selbsttötung. Die Freunde tarnten das Vorhaben als âDuellâ. Von Necker starb, Fallada ĂŒberlebte schwer verletzt, wurde strafrechtlich belangt und medizinisch behandelt, blieb bis zum Lebensende 1947 psychisch labil und drogenabhĂ€ngig. Wenn das Vorhaben wie geplant in die Tat umgesetzt worden wĂ€re, wĂ€re auch das kein âDoppelsuizidâ, sondern strafrechtlich als eine wechselseitig begangene Tötung auf Verlangen zu werten gewesen.cite-ref-108[99]
âą Johannes R. Becher versuchte 1910 in MĂŒnchen, sich und seine sieben Jahre Ă€ltere Geliebte zu töten, indem er verabredungsgemÀà zuerst auf sie und dann auf sich selbst schoss. WĂ€hrend die Frau starb, ĂŒberlebte Becher. Die Tat war offensichtlich vom Vorbild Kleists inspiriert, dem Becher sein erstes veröffentlichtes literarisches Werk widmete, die âKleist-Hymneâ Der Ringende. Becher wurde wegen Tötung auf Verlangen angeklagt, entging jedoch auf Betreiben seines Vaters, eines Richters am Oberlandesgericht MĂŒnchen, der Verurteilung, indem er fĂŒr unzurechnungsfĂ€hig erklĂ€rt wurde. Becher musste sich in den folgenden Jahren wiederholt wegen Suchterkrankungen klinisch behandeln lassen und unternahm noch mehrere Suizidversuche.cite-ref-109[100]
âą Steglitzer SchĂŒlertragödie 1927 in Berlin-Steglitz: Die verabredete Tötung und Selbsttötung wegen komplizierter Beziehungsprobleme mit vier jugendlichen Beteiligten. Zwei Menschen starben, einer fĂŒhrte die versprochene Tat nicht aus, ĂŒberlebte, trat spĂ€ter unter dem neuen Namen Ernst Erich Noth als Schriftsteller und Wissenschaftler hervor und lebte bis 1983.cite-ref-110[101]
Massensuizid
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Hauptartikel
:
Massenselbsttötung
Erweiterter Suizid
In selteneren FÀllen geht mit einem Suizid die Tötung weiterer Personen (meist Partner und Kinder) einher, vorweg oder in Tateinheit, mit Absicht oder mit Eventualvorsatz. In diesen FÀllen spricht man oft von einem erweiterten Suizid.cite-ref-111[102] Auch wenn die weiteren Getöteten nicht um ihr EinverstÀndnis gefragt wurden, gilt die Sprachregelung erweiterter Suizid.cite-ref-heanel-112-0[103]
Die Begriffe Mitnahmesuizidcite-ref-113[104] sowie homicide-suicide (âHomozid-Suizidâ) und murder-suicide werden synonym benutzt.cite-ref-114[105] Ein Mitnahmesuizid liegt allerdings nur dann vor, wenn das Ziel, sich selbst zu schaden, gröĂer ist als das Ziel, anderen Schaden zuzufĂŒgen.cite-ref-heanel-112-1[103]
Der Begriff erweiterter Suizid wurde 2006 in der Schweiz zum Unwort des Jahres bestimmt. Befremden und eine Diskussion um diesen Begriff gab es auch in Meldungen und Kommentaren zum herbeigefĂŒhrten Germanwings-Absturz in den Alpen 2015. FĂŒr solche Ereignisse wurde der Begriff Pilotensuizid geprĂ€gt.
Suizid als Protestaktion und politisches Mittel
Durch öffentlich durchgefĂŒhrte Suizide wird oft versucht, einem in politisch-moralisch-ethischen Sinn âhöheren Anliegenâ dienlich zu sein und entsprechende öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen. SpektakulĂ€re Beispiele dafĂŒr sind:
âą Bei Kurdenprotesten in Deutschland zĂŒndeten sich am 19. MĂ€rz 1994 in Mannheim die beiden Frauen NilgĂŒn Yildirim (âBerĂźvanâ) und Bedriye Tas (âRonahĂźâ), aus Protest gegen die Verbote der Newrozfeiern in der Bundesrepublik und die Beteiligung der BRD am Krieg in Kurdistan, selbst an. Beide starben an ihren Verbrennungen.cite-ref-115[106]
âą Im Vietnamkrieg verbrannten sich viele Geistliche und Mönche an öffentlichen PlĂ€tzen, indem sie sich mit Benzin ĂŒbergossen und vor laufender Kamera anzĂŒndeten. Diese Protestsuizide hörten bald auf, da sie den Kriegsverlauf nicht beeinflussen konnten.
âą Jan Palachs Selbstverbrennung am 16. Januar 1969 in Prag, an deren Folgen er drei Tage spĂ€ter starb, rĂŒhrte aus dem Protest gegen die Niederschlagung des Prager FrĂŒhlings und erregte internationales Aufsehen.
âą In der damaligen DDR wollte der evangelische Pfarrer Oskar BrĂŒsewitz am 18. August 1976 vor der Michaeliskirche in Zeitz durch seine Selbstverbrennung auf die Kirchenfeindlichkeit des SED-Regimes hinweisen (âFanal von Zeitzâ).
âą Die Selbstverbrennung Hartmut GrĂŒndlers am 16. November 1977 vor der St.-Petri-Kirche in Hamburg wĂ€hrend eines SPD-Parteitages richtete sich gegen die Energie- bzw. Atompolitik der damaligen Bundesregierung. GrĂŒndler war Doktorand in TĂŒbingen und AnhĂ€nger der Lehren Gandhis.
âą Seit April 1998 zĂŒndeten sich 140 Tibeter (118 MĂ€nner und 22 Frauen) aus Protest gegen die chinesische Politik und UnterdrĂŒckung Tibets an. 117 von ihnen starben.
âą Im Dezember 2010 verbreitete sich in Tunesien rasch die Nachricht ĂŒber die Selbstverbrennung des GemĂŒsehĂ€ndlers Mohamed Bouazizi am 17. Dezember 2010 in Sidi Bouzid, einer 250 Kilometer sĂŒdlich der Hauptstadt Tunis gelegenen Stadt.cite-ref-mehrere-116-0[107]cite-ref-tote-117-0[108] Die Unruhen weiteten sich schnell zu einer Revolution aus.
âą WĂ€hrend der Krise in Griechenland nahm die Anzahl der Suizide stark zu. Besonders bekannt wurde der Suizid des ehemaligen Apothekers Dimitris Christoulas am 4. April 2012 auf dem Athener Syntagma-Platz.cite-ref-118[109]cite-ref-119[110] Christoulas hatte an Protesten teilgenommen, in einem Abschiedsbrief schrieb er, dass ein wĂŒrdevolles Leben in Rente in Zukunft nicht mehr möglich sei.cite-ref-120[111]
Seit den 1980er Jahren hat sich die Anzahl sogenannter Selbstmordattentate bei Konflikten im islamischen Kulturbereich stark erhöht. Das Aufkommen von Selbstmordangriffen in diesem Zeitraum wird von einigen als militÀrische Strategie gesehen. Sie ist auch in Sri Lanka vorgekommen.cite-ref-121[112] Spezifischer dazu siehe weiter unten.
Hungerstreiks fĂŒhren manchmal zum Tod der AusfĂŒhrenden. An den Folgen eines politisch motivierten Hungerstreiks starben beispielsweise der nordirische IRA-Aktivist Bobby Sands 1981 (vgl. Irischer Hungerstreik von 1981) sowie der deutsche RAF-Angehörige Holger Meins 1974. Beide hatten mit ihrer Verweigerung der Nahrungsaufnahme in jeweils unterschiedlichem Kontext in der Haft versucht, einen Status als politische Gefangene sowie Verbesserungen der Haftbedingungen durchzusetzen.
GefÀngnissuizid
Das Risiko, dass ein Mensch sich das Leben nimmt, ist im Strafvollzug sehr viel höher als bei der Gesamtbevölkerung und tritt dabei insbesondere zu Beginn der Haft sowie in der Untersuchungshaft besonders hÀufig auf.cite-ref-woz-122-0[113]
GefÀngnissuizid ist die hÀufigste singulÀre Todesursache in deutschen Strafvollzugsanstalten. Die Bundesarbeitsgruppe SuizidprÀvention im Justizvollzug erfasste bundesweit (zwischen 2000 und 2019) rund 80 FÀlle jÀhrlich.cite-ref-tst-123-1[114]
WĂ€hrend die Suizidrate von mĂ€nnlichen Inhaftierten bundesweit rĂŒcklĂ€ufig ist, steigt sie bei Frauen weiter an und ist rund 8,7-mal höher als in der Allgemeinbevölkerung.cite-ref-125[116]
Zu den erschwerenden Faktoren zĂ€hlen unter anderem nicht erkannte, psychische Vorerkrankungen, SubstanzabhĂ€ngigkeit, Haftschock und ungĂŒnstige Haftbedingungen, wie beispielsweise Isolationshaft.cite-ref-spr-126-0[117] HĂ€ftlinge, die selbst schwere Verbrechen, wie Sexualstraftaten oder Tötungsdelikte, begangen haben, nehmen sich hĂ€ufiger das Leben als andere Insassen.cite-ref-welt-124-1[115]
Suizid im MilitÀr
Suizid als militÀrische Taktik
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Hauptartikel
:
Selbstmordattentat
Schon der chinesische General Sunzi erwĂ€hnte um 500 v. Chr. die (para-)militĂ€rische Taktik des Selbstmordangriffs, zu dem man einen Gegner nicht treiben solle. Suizid wurde als Möglichkeit betrachtet, sich der Gerichtsbarkeit oder Festnahme durch politische oder militĂ€rische Feinde zu entziehen. Bekannt wurde der Massensuizid auf der Festung Masada durch jĂŒdische Zeloten unter Eleasar ben Jaâir im Jahr 73 n. Chr.
Siehe auch
:
Liste fĂŒhrender Nationalsozialisten, die zum Ende des Zweiten Weltkrieges Suizid verĂŒbten
In der Endphase des Zweiten Weltkrieges opferten sich junge japanische Piloten der Spezialeinheit ShimpĆ« TokkĆtai, indem sie mit ihren Kampfflugzeugen Angriffe auf amerikanische Schiffe flogen, was als âKamikaze-Taktikâ bezeichnet wurde. Das nationalsozialistische Deutschland ĂŒbernahm zum Ende des Zweiten Weltkrieges das Narrativ des Selbstopfers, in der Hoffnung, so die Verluste zu mindern. Angeblich meldeten sich zu EinsĂ€tzen wie dem Sonderkommando Elbe ausreichend Freiwillige.cite-ref-127[118]
In BĂŒrgerkriegen, in Kriegen oder bei AufstĂ€nden agieren in der jĂŒngeren Vergangenheit vermehrt SelbstmordattentĂ€ter, so beispielsweise im Irak.cite-ref-128[119]
Besonders bekannt wurden die SelbstmordattentĂ€ter, die am 11. September 2001 mehrere Zivilflugzeuge entfĂŒhrten und zwei davon in die beiden TĂŒrme des World Trade Center sowie eines ins Pentagon steuerten.
Suizide von Soldaten
Im Jahr 2022 zÀhlte das Amt der Wehrbeauftragten 18 Selbsttötungen und 64 Selbsttötungsversuche von Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Die tatsÀchliche Zahl kann höher sein.cite-ref-129[120]cite-ref-130[121]cite-ref-131[122]
Suizid in Weltanschauungen
Die Frage der moralischen ZulĂ€ssigkeit des Suizids wird kulturell sehr unterschiedlich betrachtet. Oft lĂ€sst sich in den unterschiedlichen Gesellschaften ein zwiespĂ€ltiges VerhĂ€ltnis feststellen. Vielfach wurde und wird in den Gesellschaften ein meist unterschiedlich definierter âehrenhafter Selbstmordâ als einzig zulĂ€ssige Art der Selbsttötung weitgehend akzeptiert. Dazu zĂ€hlte der japanische Seppuku, bei dem es darum ging, eine verlorene Ehre wiederherzustellen. Mit Ă€hnlichem Ziel kommt das auch in Europa vor, bei MilitĂ€rs und Politikern (nicht selten durch SelbsterschieĂung), aber auch bei Kaufleuten im Bankrott. Im Jahr 1900 löste die Veröffentlichung von Arthur Schnitzlers Lieutenant Gustl einen Skandal aus. Der Protagonist der Novelle ist froh, nicht aus Ehre sich selbst töten zu mĂŒssen, da sein unebenbĂŒrtiger Kontrahent plötzlich verstorben ist. Die österreichische Offiziersgesellschaft degradierte den nestbeschmutzenden Autor.cite-ref-137[128]
Antike
Die moralische Wertung des Suizids wurde bereits in der Antike sehr kontrovers diskutiert. In Tragödie und Epik wurden Suizidenten vielfach als Helden verehrt. Der griechische Philosoph Hegesias (3. Jahrhundert v. Chr.), der den Spitznamen Peisithanatos (âder zum Tode Ăberredendeâ) fĂŒhrte, betonte in seinen aus seiner pessimistischen Lebensauffassung gespeisten VortrĂ€gen das Elend der menschlichen Existenz. Er schrieb dem Einzelnen das Recht zu, sich das Leben zu nehmen. Das menschliche Leben habe an sich keinen besonderen moralischen Wert. Seine AusfĂŒhrungen erwiesen sich dabei als derart ĂŒberzeugend, dass seine VortrĂ€ge in Ăgypten verboten wurden, weil sich viele Zuhörer das Leben nahmen.
FĂŒhrende griechische Philosophen wie Pythagoras und Platon (sh. Phaidon), spĂ€ter auch Römer wie Cicero (Somnium Scipionis)cite-ref-138[129] lehnten den Suizid hingegen aus religiösen und religiös-ethischen GrĂŒnden ab. Viele Stoiker der mittleren römischen Schule wie etwa Cato der JĂŒngere und Senecacite-ref-139[130] sahen dagegen in der Selbsttötung fĂŒr bestimmte FĂ€lle durchaus eine Wahlmöglichkeit. FĂŒr Mark Aurel (um 170 n. Chr.) waren Leben und Tod als solche belanglos. Wichtig war ihm eine von NĂ€chstenliebe geprĂ€gte vernunftgemĂ€Ăe LebensfĂŒhrung. Sein Kaisertum sah er â zumindest in seiner öffentlichen Selbstdarstellung â als Befehl, seine Pflicht zu erfĂŒllen âwie ein Soldat beim Sturm auf die feindliche Mauerâ.cite-ref-140[131] Sich aufzugeben gehörte daher nicht zum Lebenskonzept des Marcus Aurelius; der Tod als Notwendigkeit â eben beispielsweise wĂ€hrend der PflichterfĂŒllung â jedoch schon. Dies deckte sich durchaus mit der traditionellen Sichtweise der römischen NobilitĂ€t, die den ârömischen Todâ, also die ehrenvolle Selbsttötung in bestimmten Situationen, stets propagiert hatte.
Der durch Literatur und Filme bekannt gewordene, hauptsĂ€chlich von römischen Feldherren praktizierte Suizid, sich in ausweglosen Situationen ins Schwert zu stĂŒrzen, wurde aber zumindest in der spĂ€teren Kaiserzeit nicht mehr einhellig als âehrenvoller Todâ betrachtet, da seine DurchfĂŒhrung zumeist in völlig aussichtslosen Situationen stattfand, in denen Armeeangehörige entweder einem vielleicht noch schrecklicheren Ende entgegensahen oder eine persönliche Schande verhindern wollten. So schreibt der griechische Historiker Cassius Dio um 220 rĂŒckblickend ĂŒber das Ende des Oberkommandierenden Publius Quinctilius Varus wĂ€hrend der Schlacht im Teutoburger Wald (9 n. Chr.):
âVarus und die ĂŒbrigen Offiziere erfaĂte Angst, sie möchten entweder lebendig in Gefangenschaft geraten oder von ihren grimmigsten Feinden getötet werden [âŠ], und das lieĂ sie eine zwar schreckliche, aber notwendige Tat wagen: Sie begingen Selbstmord. [âŠ] Als sich die Kunde davon verbreitete, leistete vom Rest der Leute, selbst wenn er bei KrĂ€ften war, auch nicht einer mehr Widerstand, vielmehr ahmten die einen das Beispiel ihres Feldherrn nach, wĂ€hrend die anderen selbst ihre Waffen wegwarfen und sich vom NĂ€chstbesten, der da wollte, niedermachen lieĂen; denn Flucht war unmöglich, wie sehr sie einer auch ergreifen wollte.âcite-ref-141[132]
Im Fall des Kaisers Nero geriet dessen versuchte Selbsttötung â zumindest in der Darstellung der durchweg feindseligen Ăberlieferung â wĂ€hrend seiner Flucht zu einer Schmach, da er bei seinem Dolchstich in den Hals die Nachhilfe seines letzten Getreuen benötigte.cite-ref-142[133] Neros Tod war kein Suizid von der Art, wie dieser beim MilitĂ€r praktiziert wurde. Die Selbsttötung seines kurzzeitigen Nachfolgers Otho, der sich nach verlorener BĂŒrgerkriegsschlacht im Jahr 69 das Leben nahm, wird in den Quellen hingegen gelobt.cite-ref-143[134]
Judentum
Im Judentum ist JHWH als der Schöpfer der Welt derjenige, der das Leben gibt und wieder nimmt. So wurden Suizidenten bis ins 20. Jahrhundert alle ĂŒblichen Trauerriten versagt. Wie Verbrecher mussten sie an gesonderten Orten auĂerhalb der Friedhöfe beerdigt werden; eine Praxis, die die Kirchen spĂ€ter ĂŒbernahmen. Der Suizid war in Israel bis 1966 eine Straftat und damit stark tabuisiert.
Heute wird (je nach jĂŒdischer Ausrichtung) der psychische Zustand des Suizidenten als psychische Krankheit und der eigentliche Suizid als Folge dieser Krankheit angesehen. Dadurch ist es möglich, die Trauerriten wieder durchzufĂŒhren.
Doch auch im Judentum gab und gibt es die Möglichkeit, durch einen âehrenhaften Selbstmordâ höchste Verehrung zu genieĂen. So bewertete das rabbinische und spĂ€ter auch das orthodoxe Judentum all jene religiös inspirierten Suizide als einem Martyrium gleichwertig, die im Angesicht eines drohenden qualvollen Todes, einer unsittlichen Behandlung oder des Zwangs zu Apostasie erfolgten.cite-ref-144[135] Dies wird auch als Kiddusch HaSchem â Heiligung des Namens (Gottes) â bezeichnet. Daher werden im heutigen Staat Israel auch die Menschen auf dem Masada hoch geehrt, welche sich vor dem letzten Angriff der Römer selbst töteten.
Christentum
In der SpĂ€tantike setzte sich die Kirche mit den philosophischen Lehren auseinander. Vielfach war die Trennung zwischen Philosophie und Religion noch nicht deutlich ausgeprĂ€gt. Auch der Kirchenvater Augustinus hatte trotz aller Kritik an Platon viele grundsĂ€tzliche platonische Vorstellungen in seine Anschauungen und damit in die katholische Tradition einflieĂen lassen.cite-ref-145[136] So rief Augustinus Platon in seinem bekanntesten Werk De civitate Dei als Zeugen fĂŒr ein Verbot der Selbsttötung auf. Augustinus legte das biblische Gebot Du sollst nicht töten in der Weise aus, dass es auch auf die Erhaltung des eigenen Lebens anzuwenden sei. SpĂ€ter ĂŒbernahm die Kirche die jĂŒdische Tradition und weigerte sich â analog zum Judentum â bis ins frĂŒhe 20. Jahrhundert, Suizidenten die Bestattung auf Friedhöfen zu gewĂ€hren. Stattdessen wurde der Leichnam in ungeweihter Erde beerdigt. In der Bibel werden mehrere Suizide geschildert, allerdings ohne dass diese bewertet werden.cite-ref-146[137]
Ein wichtiges Argument des Katholizismus gegen Suizid ist, dass das Leben an sich Gott gehöre und so das Geschenk des Lebens zurĂŒckgewiesen werde. Eng verwandt damit ist die Ansicht, dass menschliches Leben heilig und einzigartig sei und alle Anstrengungen unternommen werden mĂŒssen, es zu schĂŒtzen. Diesen Standpunkt hatte bereits Cicero vertreten.
Im Codex Iuris Canonici (CIC) von 1917 war die ĂŒberlegte Selbsttötung ein Ausschlussgrund fĂŒr eine kirchliche BegrĂ€bnisfeier.cite-ref-147[138] Das galt indes nicht im Falle von Anzeichen der Reue. Im Zweifelsfall war ein kirchliches BegrĂ€bnis zu gewĂ€hren.cite-ref-148[139] Der CIC von 1983 erwĂ€hnt unter den AusschlussgrĂŒnden von einem kirchlichen BegrĂ€bnis (Can. 1184) den Suizid nicht mehr.
Wie in jeder Wissenschaft gab und gibt es im theologischen Diskurs jedoch verschiedenartige Stimmen. Der evangelische Theologe und WiderstandskÀmpfer Dietrich Bonhoeffer etwa schrieb in seiner Ethik:
âNicht das Recht auf Leben, sondern die Gnade, noch weiter leben zu dĂŒrfen unter Gottes Vergebung, vermag gegen diese Versuchung zum Selbstmord zu bestehen. Wer aber wollte sagen, daĂ Gottes Gnade nicht auch das Versagen unter dieser hĂ€rtesten Anfechtung zu umfassen und zu tragen vermöchte?âcite-ref-149[140]
Islam
Im Islam gilt Suizid als streng verboten. Einigen Hadithen zufolge wird Menschen, die sich töten, die Aufnahme ins Paradies verweigert, und es droht ihnen ein âewiges Höllenfeuerâ. Zumindest gilt es als eine schwere SĂŒnde (Sure 4,29),cite-ref-150[141]cite-ref-sw-151-0[142] denn nach muslimischer Ansicht hat nur Gott das Recht, ĂŒber Leben und Tod zu entscheiden.cite-ref-s43-152-0[gb 1]
Gleichwohl begingen Menschen, die sich als Muslime ansahen, zahlreiche Selbstmordattentate. Dies geschah und geschieht teils im Zeichen eines Kampfes gegen âUnglĂ€ubigeâ,cite-ref-s43-152-1[gb 1] und teils im Rahmen innerislamischer KĂ€mpfe verschiedener Glaubensrichtungen. Die Grenzen zwischen Selbsttötung und Glaubenszeugnis sind in diesen FĂ€llen flieĂend. Offenbar glauben viele AttentĂ€ter, nach ihrem Tod sogleich ins Paradies aufgenommen zu werden.cite-ref-s44-153-0[gb 2] Besonders durch den schiitischen Islam wurde der MĂ€rtyrertod auch politisiert.cite-ref-sw-151-1[142]
Der islamische MĂ€rtyrertod bedarf stets der Zustimmung von religiösen FĂŒhrern und einer Glaubensgemeinschaft; sonst wĂŒrde er als Selbstmord angesehen. In der schiitischen Tradition war zudem festgelegt, dass nur unverheiratete MĂ€nner und keine Frauen den MĂ€rtyrertod sterben durften. Zudem mussten die Eltern stets zustimmen. Diese Traditionen wurden zu Beginn der 1980er Jahre durch Ajatollah Khomeini aufgeweicht, der eine Zustimmung der Eltern nicht mehr fĂŒr notwendig erachtete. Dieser Meinung schloss sich auch der fĂŒhrende schiitische Religionsgelehrte im Libanon, GroĂayatollah Mohammad Hussein Fadlallah (1935â2010), an. Er sah es als Pflicht von MĂ€dchen und Jungen an, auch ohne Zustimmung der Eltern in den Tod zu gehen.cite-ref-s94-154-0[143] Die innermuslimischen Streitigkeiten, wer MĂ€rtyrer sei und wer nicht, macht die Verurteilung von al-Qaida durch Fadlallah deutlich. Fadlallah ist auch geistiger Mentor der radikalislamischen Terrororganisationcite-ref-parlament08032005-155-0[144]cite-ref-rat29052006-156-0[145] Hisbollah, doch er lehnt es ab, den islamischen Kampf in den Vereinigten Staaten fortzusetzen, wie dies bei den TerroranschlĂ€gen am 11. September 2001 in New York City geschah. So verurteilt er die Angriffe von al-Qaida als ânicht mit der Scharia [âŠ] und dem wahren islamischen Dschihad vereinbarâ. FĂŒr Fadlallah sind die KĂ€mpfer der al-Qaida keine MĂ€rtyrer, sondern âbloĂe Selbstmörderâ.cite-ref-157[146]
Auch im sunnitischen Islam wird die Selbsttötung als SĂŒnde betrachtet;cite-ref-sw-151-2[142] gleichwohl gibt es dort eine Suizid-Tradition.cite-ref-158[147] Nachdem schiitische Gelehrte den Vorbehalt der Zustimmung der Eltern zum MĂ€rtyrertod ihrer Kinder eingeschrĂ€nkt oder aufgehoben hatten, unterstĂŒtzte auch der Sunnit Abdalsalam Faradsch, Vordenker der Ă€gyptischen Dschihad-Gruppe, in seiner Schrift Die vergessene Pflicht (1981) diese Haltung.cite-ref-s94-154-1[143]
Buddhismus
In den buddhistischen Schriften wird die Selbsttötung differenziert betrachtet. Der Buddhismus selbst schwankt zwischen klarer Ablehnung und bedingter Zustimmung zur Selbsttötung. Keinesfalls ist die Selbsttötung mit der Tötung eines anderen Wesens zu vergleichen, und Formen der Selbsttötung, die andere Leben gefĂ€hrden, werden vor allem aufgrund dieser Tatsache geĂ€chtet. Die Selbsttötung mit dem Ziel, die eigene Erleuchtung vor einem RĂŒckfall (z. B. bei schwerer Krankheit) zu schĂŒtzen oder um nach der Wiedergeburt zu einer höheren Daseinsform aufzusteigen, wird in den Schriften da und dort positiv gewertet. Voraussetzung fĂŒr eine positive Wertung der Selbsttötung ist ein âklarer, konzentrierter und ruhiger GemĂŒtszustandâ und das âVertrauen in einen Buddhaâ. Unter diesen Voraussetzungen wird die Selbsttötung als nicht verwerflich oder karmisch schĂ€dlich bezeichnet.cite-ref-s127-159-0[md 1]
Einer der bekanntesten Texte im Pali-Kanon zum Thema der Selbsttötung ist das ChannovÄda-Sutta:cite-ref-160[VeW 1]
âDen auf Grund von schwerer Krankheit suizidalen Mönch Channa besuchen SÄriputta und MahÄcunda, dessen WeggefĂ€hrten. AusfĂŒhrlich erkundigen sie sich ĂŒber eventuelle MĂ€ngel der Nahrung, der Pflege oder der medizinischen Versorgung. Doch Channa verneint jeden Mangel. Dann erkundigen sie sich ĂŒber eventuelle MĂ€ngel der Erleuchtung, doch Channa legt ausfĂŒhrlich dar, dass er die Erleuchtung verwirklicht hat. Nachdem die beiden Mönche bei Channa keinen Mangel gefunden haben, sprechen sie ihm noch einmal die Lehre vom Ende des Leidens zu und verlassen ihn. Channa greift zum Schwert und tötet sich so. Daraufhin befragt SÄriputta den Buddha und legt ihm den Fall vor: âVom ehrwĂŒrdigen Channa, o Herr, ist zum Schwert gegriffen worden. Welches ist sein Weg, welches sein Schicksal nach dem Tod?âcite-ref-161[VeW 2] Buddha verweist darauf, dass Channa sich in der grĂŒndlichen Befragung als untadelig erwiesen hat, also als einer, der Arhatschaft erlangt hat und nicht wiedergeboren werden wird. So gesehen ist schon die Fragestellung des SÄriputta verfehlt. SÄriputta verweist aber auf die Verwandten und Freunde, die das Verhalten von Channa als verwerflich erachten, doch dies weist Buddha zurĂŒck: âWer, o SÄriputta, diesen Körper abwirft, und einen anderen Körper anlegt, den nenne ich tadelnswert. Das ist bei Channa dem Mönch nicht (der Fall); untadelhaft hat Channa, der Mönch, zum Schwert gegriffenâ.cite-ref-162[VeW 3]â
Es scheint also hier so zu sein, dass einer, der nicht wiedergeboren werden wird, durchaus durch Selbsttötung sterben darf.
Die Kommentarliteratur zu diesem Fall lehnt es aber strikt ab, diesen Text als Beleg dafĂŒr zu nehmen, dass sich ein Arhat im Gegensatz zu einem Unerlösten töten darf. In den Kommentaren wird der Moment der Erlangung der Arhatschaft in den Augenblick des Todes hinein verlegt, um zu betonen, dass der Akt der Selbsttötung nicht die Tat eines Erlösten war, sondern noch die Tat eines Menschen, der davor stand. WĂ€re er nĂ€mlich schon im Zustand der Arhatschaft, wĂ€re Channa ein ethisches Vorbild fĂŒr alle Buddhisten, und dies soll ja gerade nicht daraus abgeleitet werden.cite-ref-163[148]
Da im Buddhismus alles Leben höchste Achtung genieĂt, ist auch im heutigen Buddhismus der Suizid geĂ€chtet, insofern eine destruktive Motivation ursĂ€chlich ist. In Thailand und Sri Lanka, welche vom Theravada-Buddhismus geprĂ€gt worden sind, gilt ein Suizid auch als Schande fĂŒr die gesamte Familie.cite-ref-164[gb 3]
Nur in sehr seltenen FĂ€llen kann ein Suizid positiv bewertet werden, wenn dadurch beispielsweise andere Menschen gerettet werden.
Hinduismus
Mit der VerdrĂ€ngung des Buddhismus durch den Hinduismus ab dem 5. Jahrhundert in Indien fand der Suizid weite Verbreitung. Die zu den bedeutendsten Texten der Hindus gehörenden Puranas betonen, dass die Selbsttötung Lohn der Asketen sei, um deren Frömmigkeit zu besiegeln, jedoch kein Ausweg fĂŒr Menschen, die nicht an die Götter glauben. Im Geiste dieser Texte lassen sich daher Pilger bei FestumzĂŒgen zu Ehren von Jagannath (Rath Yatra) von den RĂ€dern seines Prozessionswagens ĂŒberrollen; andere suchen heilige PlĂ€tze auf, an denen man aus groĂer Höhe in den Tod springen, sich ertrĂ€nken oder, speziell bei Himalaya-HeiligtĂŒmern, im Schnee erfrieren kann.cite-ref-s443-165-0[gk 1]
Eine aus ganz Ostasien bekannte Art der Selbsttötung ist die Witwenverbrennung. FĂŒr eine Frau galt es im Hinblick auf ihre Wiedergeburt als verdienstvoll, in das Leichenfeuer ihres Mannes zu springen. Es kam jedoch auch vor, dass Angehörige den Tod der Ehefrau erzwangen. Auch nach dem Verbot der Witwenverbrennung durch die Kolonialverwaltung Britisch-Indiens im 19. Jahrhundert gingen immer wieder Frauen ins Feuer. Im Gegensatz zu einigen Strömungen des Buddhismus bleibt bei den Hinterbliebenen eines Suizidenten im Hinduismus kein Makel haften.cite-ref-s443-165-1[gk 1]
Jainismus
Indische Mönche, die dem Jainismus angehören, vollziehen das Todesfasten zum Abschluss eines langen rituellen Ăbungsweges.cite-ref-s443-165-2[gk 1]
Philosophie
Bedeutende Vertreter der AufklĂ€rung wie die Philosophen Immanuel Kant und Georg Wilhelm Friedrich Hegel bestreiten das Recht des Menschen, seinem Leben selbst ein Ende zu setzen. Bei Kant finden sich dazu platonische EinflĂŒsse. Auch er bedient sich daher des Bildes, dass ein Mensch seinen Wachposten nicht verlassen darf.cite-ref-166[gb 4] Dieser Philosoph findet den Suizid grundsĂ€tzlich verwerflich: âDas Subjekt der Sittlichkeit in seiner eigenen Person vernichten, ist eben so viel, als die Sittlichkeit selbst ihrer Existenz nach, so viel an ihm ist, aus der Welt zu schaffen.âcite-ref-s16-167-0[gb 5]
Kants Zeitgenosse David Hume ist dagegen der Meinung, dass die Selbsttötung ein der menschlichen Gesellschaft eingestiftetes Recht sei.cite-ref-s16-167-1[gb 5] Der christlichen Ansicht, dass das menschliche Leben heilig und einzigartig sei und alle Anstrengungen unternommen werden mĂŒssten, dieses zu schĂŒtzen, entgegnet Hume, dass es in diesem Sinne fĂŒr einen Christen auch falsch sein mĂŒsse, einen natĂŒrlichen Tod hinauszuzögern, da dies Gottes Wille widerspreche.
Arthur Schopenhauer, dessen philosophisches System in seinem Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung in die âVerneinung des Willens zum Lebenâ als ethisches Ziel mĂŒndet, verwarf gleichwohl den Suizid, weil dieser ihm zufolge keineswegs â wie die freiwillige Askese â eine Verneinung des Willens zum Leben zum Ausdruck bringe, sondern vielmehr âein PhĂ€nomen starker Bejahung des Willensâ darstelle. Denn âdie Verneinung [des Willens zum Leben] hat ihr Wesen nicht darin, daĂ man die Leiden, sondern dass man die GenĂŒsse des Lebens verabscheuet. Der Selbstmörder will das Leben und ist bloĂ mit den Bedingungen unzufrieden, unter denen es ihm geworden.âcite-ref-168[149] Der von Schopenhauer stark beeinflusste Philosoph Philipp MainlĂ€nder unternahm in seiner Philosophie der Erlösung dagegen eine âApologie des Selbstmordsâ.cite-ref-169[150]
Albert Camus nahm sich in seinem philosophischen Essay Der Mythos des Sisyphos des Problems Suizid an. Dabei erklÀrt er zwar den Suizid als einzigen Ausweg aus der AbsurditÀt des menschlichen Lebens, lehnt ihn jedoch vehement ab. Die StÀrke des modernen Menschen zeichne sich laut Camus nicht dadurch aus, sich selbst das Leben zu nehmen, sondern im Gegenteil dazu die AbsurditÀt zu erkennen und trotzdem mit seinen Aufgaben fortzufahren, wie er am Beispiel des Mythos des Sisyphos erklÀrt.
Andere Kulturen
In anderen Kulturen kann die rituelle Selbsttötung gesellschaftlich akzeptiert sein. Zu nennen wĂ€ren hier das japanische Seppuku oder das indische Sati. Auch bei den Maya in ihrer klassischen Periode war die Göttin Ixtab fĂŒr diejenigen Krieger zustĂ€ndig, die nach dem Verlust ihrer Ehre von ihr mit einem Seil in einen der dreizehn Himmel gezogen werden.
Schwieriger zu beurteilen ist die Rolle des Suizids bei den SuruahĂ im Amazonas-Gebiet. CunahĂĄ, ein Gift zum Töten von Fischen, das aus bestimmten Lianenwurzeln gewonnen wird, nehmen die Stammesmitglieder ab dem 12. Lebensjahr zu spirituell-rituellen Zwecken zu sich. Dies endet dann tödlich, wenn die Wurzel nicht schnell genug wieder ausgespien wird. Es gibt auf der anderen Seite kein Wort fĂŒr âSuizidâ bei den SuruahĂĄ.
Eskimo-Kultur:
Bei den Eskimos entsprach es bis zur Ăbernahme des Christentums, zeitlich etwa bis zum Umzug aus den Camps in Siedlungen zur Mitte des 20. Jahrhunderts, alter Tradition, zur Sicherung der ĂberlebensfĂ€higkeit des Stammes oder einer GroĂfamilie kranke oder behinderte Kinder und lebensuntĂŒchtig gewordene alte Menschen (diese ĂŒberwiegend auf eigenen Wunsch) bei Wanderungen im Camp zurĂŒckzulassen oder gar zu töten.cite-ref-170[151] Bei den Eskimos war Suizid nach Franz Boas gegen Ende des 19. Jahrhunderts keine Seltenheitcite-ref-s207-171-0[al 1] und geschah im Allgemeinen durch ErhĂ€ngen.cite-ref-s195-172-0[al 2] Gewaltsamer Tod einschlieĂlich Suizid wurde schleichendem Tod vorgezogen,cite-ref-s195-172-1[al 2] da gemÀà den Vorstellungen der Eskimos die Seelen nach gewaltsamem Sterben nach Qudlivun, Land des GlĂŒcklichseins (happy land), gehen.cite-ref-s207-171-1[al 1] Zwar besaĂen MĂ€nner das Recht, ihre alt gewordenen Eltern zu töten, doch geschah dies eher selten.cite-ref-s195-172-2[al 2] Alte, die sich nutzlos vorkamen oder deren Leben eine Last fĂŒr sie selbst und ihre Angehörigen darstellte, wurden zum Beispiel durch Messerstiche oder Erdrosselung getötet, gewöhnlich, doch nicht generell, auf Bitte des betroffenen Eskimos, oder verstoĂen.cite-ref-s195-172-3[al 2] Nach Knud Rasmussen war Suizid bei den Alten der Iglulik-Region alltĂ€glich.cite-ref-s196-173-0[al 3] Auch sie glaubten, durch gewaltsamen Tod ihre Seele fĂŒr die Reise ins Jenseits zu reinigen.cite-ref-s196-173-1[al 3] Die Tötung erfolgte durch ErhĂ€ngen, ErschieĂen oder Erstechen.cite-ref-174[al 4] Eskimos, die Beihilfe fĂŒr ihren Suizid benötigten, mussten ihre Angehörigen dreimal nacheinander bitten.cite-ref-s198-175-0[al 5] Familienmitglieder versuchten zunĂ€chst, den Bittsteller bei den beiden ersten Ansinnen von seinem Vorhaben abzubringen, doch wurde die dritte Bitte als verbindlich akzeptiert.cite-ref-s198-175-1[al 5] Gelegentlich wurden der Suizidschwur auch zurĂŒckgenommen und Hunde dafĂŒr geopfert.cite-ref-s198-175-2[al 5] Der eigentliche Suizid erfolgte öffentlich und unter Anwesenheit der Angehörigen.cite-ref-s198-175-3[al 5] War der Suizid akzeptiert, hatte sich das Opfer wie allgemein die Verstorbenen zu kleiden.cite-ref-s198-175-4[al 5] Das Sterben erfolgte an einem festgelegten Ort, wo dann auch der materielle Besitz des Verstorbenen zerstört wurde.cite-ref-s198-175-5[al 5] Laut Statistics Canada war im Jahr 2004 im Inuit-Territorium Nunavut Suizid die zweithĂ€ufigste Todesursache.cite-ref-176[152] Weitere Einzelheiten zu Suizid bei den Eskimos in Vergangenheit und Gegenwart sind unter Inuit-Kultur (Abschnitt Tod) nachzulesen.
Ainu-Kultur:
In der Ainu-Religion existiert die Ansicht, dass die Seele eines Menschen, der Suizid begeht, zu einem Geist beziehungsweise einer Art DĂ€mon werde, welcher die Lebenden heimsuche (Tukap),cite-ref-yamada-177-0[153] um jene ErfĂŒllung zu finden, welche ihr im Leben verwehrt geblieben war.cite-ref-adami-178-0[154] Hat jemand einen anderen derartig stark beleidigt und beschimpft, sodass dieser Suizid beging, gilt er als fĂŒr dessen Tod mitverantwortlich.cite-ref-adami-2-179-0[155] Hintergrund sei hierbei, laut Norbert Richard Adami, dass die Ainu-Ethik primĂ€r auf die Förderung von Harmonie und SolidaritĂ€t zwischen Einzelnem und Gemeinschaft ausgerichtet ist, was mit einem erheblichen sozialen Druck einhergehe, âMeinungsverschiedenheiten möglichst gĂŒtlich beizulegenâ, worin sich die Ainu-Kultur von der Westlichen, âmit ihrer sehr viel geringer entwickelten SoldaritĂ€tâ, unterscheide.cite-ref-adami-2-179-1[155]
Juristische Bewertung
Historisch
In der Rechtswissenschaft zeichneten sich im 18. Jahrhundert vereinzelte Forderungen zur Liberalisierung des Suizids ab, dessen AusfĂŒhrung in vielen Gebieten Europas bis in das beginnende 19. Jahrhundert hinein weiterhin als Straftatbestand geahndet wurde. So machte der Strafrechtsreformer und wichtige Ideengeber Cesare Beccaria in seinen AusfĂŒhrungen deutlich, dass der Suizid keiner Bestrafung unterzogen werden solle, âweil sie nur auf einen kalten und leblosen Leichnam oder auf Unschuldige fallen kann.âcite-ref-180[156]
Deutschland
Verfassungsrecht
In Deutschland bildet den Ă€uĂeren Rahmen fĂŒr die rechtliche Bewertung der Suizidproblematik das Grundgesetz. UnverĂ€nderbare Richtschnur hierfĂŒr ist die Unantastbarkeit der MenschenwĂŒrde nach Art. 1 GG. GeschĂŒtzt ist sie nach heutiger Auffassung in der Gestalt, wie der einzelne Mensch sich in seiner IndividualitĂ€t begreift und sich seiner selbst bewusst wird.cite-ref-181[157] Hieraus wird abgeleitet, die Unantastbarkeit der MenschenwĂŒrde schĂŒtze den Einzelnen auch davor, zum Objekt von MenschenwĂŒrdedefinitionen anderer zu werden.cite-ref-njw851-182-0[158] Ihre Konkretisierung erfĂ€hrt die Unantastbarkeit der MenschenwĂŒrde insbesondere im Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, soweit diese nicht Rechte anderer verletzt oder gegen die verfassungsmĂ€Ăige Ordnung oder das Sittengesetz verstöĂt (Art. 2 GG).
Dieses Grundrecht umfasst nach gegenwĂ€rtiger Ansicht die Freiheit, lebensverlĂ€ngernde oder gesundheitserhaltende MaĂnahmen abzulehnen.cite-ref-njw851-182-1[158] Uneinigkeit besteht, inwieweit die AusĂŒbung dieses Freiheitsrechts gegen das Sittengesetz verstöĂt. Religiös fundierte Wertsetzungen können fĂŒr die KlĂ€rung dieser Frage nicht maĂgebend sein. Sie dĂŒrfen zwar durch die Religionsfreiheit in Deutschland (Art. 4 GG) vom Einzelnen gelebt, anderen aber nicht gegen ihren Willen aufgezwungen werden. Entsprechendes gilt fĂŒr Wertsetzungen, die aus philosophisch-weltanschaulichen Systemen abgeleitet sind, denn keines von ihnen kann beanspruchen, allgemeingĂŒltig zu sein. Der Philosophie Kants folgend, der der Begriff des Sittengesetzes entlehnt ist, verbinden sich denn auch damit keine bestimmten materiellen Bewertungen, sondern eine PrĂŒfung der Frage, inwieweit das Handeln des Einzelnen MaĂstab fĂŒr eine allgemeine Gesetzgebung sein könnte (Kategorischer Imperativ).cite-ref-183[ml 1]
Strafrecht
Der Suizid und dessen Versuch sind nach dem Recht Deutschlands straffrei, da die §§ 211 folgende StGB die Tötung eines anderen Menschen voraussetzen. Ebenso straffrei ist die Teilnahme an dem Suizid eines vollverantwortlich Handelnden, also Anstiftung oder Beihilfe, da es dafĂŒr an einer teilnahmefĂ€higen vorsĂ€tzlichen rechtswidrigen Haupttat fehlt.cite-ref-184[159]cite-ref-185[160]cite-ref-186[161] Strafbar ist dagegen die Tötung auf Verlangen (§ 216 Abs. 1 StGB).
Allerdings kommt eine Strafbarkeit von Handlungen eines anderen als Totschlag bzw. Mord (des Suizidenten) in mittelbarer TĂ€terschaft (§ 25 Abs. 1 Alt. 2 StGB) in Betracht.cite-ref-187[162] Dies setzt zunĂ€chst voraus, dass derjenige, der allein oder unter Mitwirkung eines Dritten Hand an sich legt, nicht freiverantwortlich handelt. Die freie Verantwortlichkeit hĂ€ngt nach dem Bundesgerichtshof âdavon ab, ob der Suizident ĂŒber die natĂŒrliche Einsichts- und UrteilsfĂ€higkeit verfĂŒgt und fĂ€hig ist, seine Entscheidung autonom und auf der Grundlage einer realitĂ€tsbezogenen AbwĂ€gung der fĂŒr und gegen die Lebensbeendigung sprechenden UmstĂ€nde zu treffenâ. Diese Einsichts- und UrteilsfĂ€higkeit könne aufgrund akuter psychischer Störungen, intoxikationsbedingter Defizite oder bei fehlender Verstandesreife eines MinderjĂ€hrigen fehlen.cite-ref-188[163] âAn einer freiverantwortlichen Suizidentscheidung kann es [âŠ] auch infolge der AusĂŒbung von Zwang, Drohung oder TĂ€uschung und aufgrund sonstiger Formen unzulĂ€ssiger Einflussnahme fehlen, sofern diese geeignet sind, eine reflektierende, abwĂ€gende Entscheidung orientiert am eigenen Selbstbild zu verhindern oder wesentlich zu beeintrĂ€chtigenâ.cite-ref-189[164] TĂ€ter des Tötungsdeliktes ist dann der Einfluss nehmende Hintermann, falls er das Geschehen auch durch sein Verhalten maĂgeblich beherrscht (Tatherrschaft).cite-ref-190[165] Ein Lehrbuchbeispiel fĂŒr einen solchen Tatverlauf ist der Siriusfall.
Wer aufgrund einer Garantenpflicht verpflichtet ist (z. B. Angehörige, Ărzte etc.), eine Selbsttötung zu verhindern, kann wegen Totschlags (oder ggf. Mordes) durch Unterlassen bestraft werden, wenn er die gebotene Rettungshandlung unterlĂ€sst. Der Gehilfe, aber auch jeder zufĂ€llige Zeuge des Geschehens kann ferner, wenn er keine Hilfe leistet, nachdem der Suizident die Tatherrschaft verloren hat (z. B. weil er bewusstlos ist), wegen unterlassener Hilfeleistung nach § 323c StGB bestraft werden. In der Vergangenheit wurde nĂ€mlich vom Bundesgerichtshof die Meinung vertreten, dass das Auffinden eines bewusstlosen, aber noch nicht verstorbenen Suizidenten einen UnglĂŒcksfall im Sinne des § 323c StGB darstelle. Dies ist in der Strafrechtswissenschaft umstritten und wird vor allem mit dem Argument abgelehnt, dass ein frei verantwortlicher Bilanzsuizid kein UnglĂŒcksfall, sondern Ausdruck des Selbstbestimmungsrechts des Einzelnen sei.cite-ref-191[166] Dagegen wird vor allem eingewendet, dass hinzukommende Personen (Rettungsdienst, Notarzt, Angehörige) in dieser Situation meist nicht zuverlĂ€ssig ĂŒberprĂŒfen können, ob es sich wirklich um einen frei verantwortlichen Suizid handelt.cite-ref-192[167] Im Ăbrigen kann auch die gesamte Situation eines Suizidalen so interpretiert werden, dass eine Hilfe grundsĂ€tzlich erforderlich ist, also bereits zum Beispiel ein Alleinlassen einer möglicherweise suizidalen Person eine unterlassene Hilfeleistung ist.
Allerdings kann die allgemeine Hilfeleistungspflicht in Konkurrenz zu einer bestehenden PatientenverfĂŒgung und zum Selbstbestimmungsrecht treten. Sterbehilfe als Tötungsdelikt, im Gegensatz zur Sterbebegleitung als auftragsgemĂ€Ăes, palliativmedizinisches Handeln des Arztes, muss auch ethischen BegrĂŒndungen standhalten. Eine (Ă€rztliche) Versorgung des Suizidenten kann sich als Körperverletzung darstellen, wenn sie nicht durch einen Notstand oder die GeschĂ€ftsfĂŒhrung ohne Auftrag gerechtfertigt ist (siehe auch: Arzthaftung). So sind Ărzte nicht verpflichtet, Patienten nach einem Suizidversuch gegen deren Willen das Leben zu retten.cite-ref-193[168] In der Praxis werden im Falle eines akuten Suizides in aller Regel sĂ€mtliche noch erfolgversprechenden lebensrettenden MaĂnahmen durchgefĂŒhrt, da das Vorhandensein oder die Wirksamkeit einer PatientenverfĂŒgung in der gebotenen Eile kaum geprĂŒft werden können.
Reformbestrebungen im Strafrecht
Die Verfassung eröffnet SpielrĂ€ume, dem Selbstbestimmungsrecht des Menschen auch ĂŒber die Beendigung seines Lebens gröĂere Akzeptanz entgegenzubringen.cite-ref-194[ml 2] Dies ist in den letzten Jahrzehnten auf Gesetzesebene wiederholt, bisher aber ohne Erfolg versucht worden. Hervorzuheben sind zwei, von Juristen und Medizinern erarbeitete ReformvorschlĂ€ge aus den Jahren 1986 und 2005.cite-ref-195[169] Ăber eine gesetzliche Fixierung von heute bereits weitgehend tolerierten Verfahrensweisen der Einstellung medizinischer Behandlungen bei Kranken (sogenannte passive Sterbehilfe) hinaus soll diese auch fĂŒr Suizidenten gelten. Im Falle der Beihilfe zu einer auf ernstlicher Entscheidung beruhenden Selbsttötung VolljĂ€hriger soll sich nicht mehr strafbar machen, wer die Rettung des darĂŒber bewusstlos gewordenen Suizidenten unterlĂ€sst. SchlieĂlich wird behutsam fĂŒr Ărzte eine Möglichkeit zu aktiver Sterbehilfe eines tödlich Kranken eröffnet nach Ausschöpfung aller therapeutischen Möglichkeiten zur Abwendung eines unertrĂ€glichen und unheilbaren Leidens. Diese VorschlĂ€ge haben die volle Zustimmung des Deutschen Juristentages 2006 gefunden.cite-ref-196[170]
Ab 10. Dezember 2015 war die geschĂ€ftsmĂ€Ăige Förderung der Selbsttötung strafbar (§ 217 StGB). Allerdings erklĂ€rte das Bundesverfassungsgericht diese Bestimmung wegen des VerstoĂes gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht am 26. Februar 2020 fĂŒr verfassungswidrig.cite-ref-197[171] Eine gesetzliche Neuregelung scheiterte im Bundestag am 6. Juli 2023.cite-ref-198[172]
Psychisch-Kranken-Gesetze
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Hauptartikel
:
Psychisch-Kranken-Gesetz
Wer Selbsttötung androht oder ankĂŒndigt, muss damit rechnen, wegen erheblicher SelbstgefĂ€hrdung in eine psychiatrische Klinik zwangseingewiesen und behandelt zu werden. Rechtsgrundlage sind dabei die Psychisch-Kranken-Gesetze der BundeslĂ€nder. Rechtliche Voraussetzung fĂŒr diesen schwerwiegenden Eingriff in die Grundrechte ist, dass diese SelbstgefĂ€hrdung auf einem als psychische Krankheit eingestuften Zustand beruht.
Versicherungsrecht
â
Hauptartikel
:
Selbsttötungsklausel
Nach deutschem Recht zahlt eine Lebensversicherung auch bei Suizid, wenn die Tat im Zustand der UnzurechnungsfĂ€higkeit begangen worden ist (§ 161 VVG) oder seit Versicherungsbeginn mehr als drei Jahre vergangen sind. Diese Frist kann durch eine Einzelvereinbarung erhöht werden. In allen anderen FĂ€llen wird nur der RĂŒckkaufswert inkl. Ăberschussanteile erstattet. Die Versicherer sind hierdurch insbesondere gegenĂŒber Personen abgesichert, deren Selbsttötungsabsicht bei Abschluss des Versicherungsvertrages bereits feststeht und die auf Kosten der Versichertengemeinschaft fĂŒr ihre Hinterbliebenen sorgen wollen. NĂ€heres ist in der Regel in den Allgemeinen Lebensversicherungsbedingungen ausgefĂŒhrt.
Im bis zum 31. Dezember 2007 geltenden Versicherungsvertragsgesetz wurde bei Suizid nur gezahlt, wenn UnzurechnungsfÀhigkeit vorlag.cite-ref-199[173] Zugunsten des Versicherungsnehmers kann von den Regeln abgewichen werden.
Ăsterreich
Auch in Ăsterreich ist der Suizid straffrei; im Gegensatz zu Deutschland wurde der Mord von der Selbsttötung im Strafrecht (§ 75 Strafgesetzbuch) ausdrĂŒcklich abgegrenzt. Strafbar sind jedoch die Tötung auf Verlangen (§ 77 StGB) und, unter bestimmten Voraussetzungen (vgl. unten), die âMitwirkung an der Selbsttötungâ (§ 78 StGB), die mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fĂŒnf Jahren geahndet werden. Tötung auf Verlangen liegt vor, wenn die Handlung, die unmittelbar den Tod eines anderen herbeifĂŒhrt, auf dessen ausdrĂŒckliches und ernstliches Verlangen vom TĂ€ter selbst unternommen wird. âMitwirkung an der Selbsttötungâ hat zur Voraussetzung, dass der TĂ€ter einen anderen dazu verleitet, die Handlung, die unmittelbar dessen Tod herbeifĂŒhren soll, selbst zu unternehmen, oder dass er die Unternehmung einer solchen Handlung auf irgendeine Weise ermöglicht oder erleichtert. Die âMitwirkung an der Selbsttötungâ kann auch durch psychische bzw. moralische UnterstĂŒtzung erfolgen.
Aktive Sterbehilfe fĂ€llt entweder unter den Tatbestand des Mordes (§ 75 StGB), der Tötung auf Verlangen (§ 77 StGB) oder, unter bestimmten Voraussetzungen (vgl. unten), der âMitwirkung an der Selbsttötungâ (§ 78 StGB). Nicht strafbar ist hingegen die passive Sterbehilfe, der Verzicht auf lebensverlĂ€ngernde MaĂnahmen beim Sterben, wenn ein Patient dies aktuell wĂŒnscht oder diesen Wunsch im Vorhinein mit einer gĂŒltigen PatientenverfĂŒgung zum Ausdruck gebracht hat (siehe PatientenverfĂŒgungs-Gesetz). Erlaubt ist auch die aktive indirekte Sterbehilfe, worunter man medizinische MaĂnahmen versteht, die das Leiden eines Menschen unter Einsatz aller helfenden Mittel lindern, auch wenn dadurch möglicherweise der Sterbeprozess verkĂŒrzt wird.
VorsĂ€tzliches GewĂ€hrenlassen einer Selbsttötung fĂ€llt nur demjenigen als âMitwirkung an der Selbsttötungâ (§ 78 StGB) zur Last, der von Rechts wegen zum hindernden Eingreifen besonders verpflichtet ist (z. B. Angehörige, Ărzte usw.). Wer es ansonsten unterlĂ€sst, einem Verletzten die zu seiner Rettung aus der Gefahr des Todes oder einer betrĂ€chtlichen Körperverletzung oder GesundheitsschĂ€digung offensichtlich erforderliche Hilfe zu leisten, erfĂŒllt den Tatbestand der Unterlassung der Hilfeleistung (§ 95 StGB).
Laut OGH-Erkenntnis (OGH 14O s 158/99) fehlt es einem UnmĂŒndigen an der nötigen Reife, die ganze Tragweite seines Selbsttötungsentschlusses erfassen und sein Verhalten dieser Einsicht entsprechend steuern zu können. Mangels eines einem UnmĂŒndigen zurechenbaren ernst zu nehmenden Sterbewillens ist daher eine ihm bei der Selbsttötung geleistete Hilfe nicht als âMitwirkung an der Selbsttötungâ (§ 78 StGB), sondern als Mord (§ 75 StGB) zu beurteilen.
Infolge eines Urteils des Verfassungsgerichtshofs wurde zum 1. JĂ€nner 2022 die Strafbarkeit der âMitwirkung an der Selbsttötungâ (§ 78 StGB) stark eingeschrĂ€nkt.cite-ref-200[174]
Schweiz
Das schweizerische Bundesgericht hat in einem Urteil vom 3. November 2006 (BGE 133 I 58) den Suizid neu als ein Menschenrecht formuliert: âZum Selbstbestimmungsrecht im Sinne von Artikel 8 EMRK (sc. EuropĂ€ische Menschenrechtskonvention) gehört auch das Recht, ĂŒber Art und Zeitpunkt der Beendigung des eigenen Lebens zu entscheiden; dies zumindest, soweit der Betroffene in der Lage ist, seinen entsprechenden Willen frei zu bilden und danach zu handelnâ.
Das schweizerische Strafrecht bestraft lediglich Personen, die aus selbstsĂŒchtigen BeweggrĂŒnden jemanden zum Suizid verleiten oder ihm Hilfe dabei leisten, sowohl bei vollendeter Tat als auch beim Versuch, mit maximal 5 Jahren GefĂ€ngnis. Diese Formulierung ermöglicht in der Praxis eine groĂe Grauzone fĂŒr die Sterbehilfe. Damit gehört die Schweiz zu den liberalsten LĂ€ndern in dieser Hinsicht. In der Schweiz ansĂ€ssige Organisationen wie Exit und Dignitas bieten ihren Mitgliedern fĂŒr geringen finanziellen Aufwand Sterbehilfe an. Dies macht die Schweiz weltweit zu einem Anlaufpunkt fĂŒr sogenannte âSterbetouristenâ. Im Jahr 2016 beendeten 928 Personen mit Hilfe von Exit ihr Leben.cite-ref-201[175] Bestrebungen, die Kriterien zu verschĂ€rfen und Sterbehilfe gesetzlich anders zu regeln, sind vom schweizerischen Bundesrat am 29. Juni 2011 aufgegeben worden mit der BegrĂŒndung, die allgemeinen Gesetze seien ausreichend, um allfĂ€llige MissbrĂ€uche bekĂ€mpfen zu können.
GroĂbritannien und Nordirland
Im Vereinigten Königreich war Suizid bis 1961 eine Straftat.cite-ref-202[176] Die Strafbarkeit grĂŒndete sich auf den Umstand, dass die Krone durch den Suizid einen Untertan verliert.
Rezeption
Film
âą Der deutsche Film Die SĂŒnderin (Hauptrolle: Hildegard Knef; ErstauffĂŒhrung Januar 1951) war in den 1950er Jahren Objekt von Kritik und moralischer EntrĂŒstung: zum einen, weil die Hauptdarstellerin (sie spielte eine Prostituierte namens Marina, die ihrem todkranken Geliebten nackt Modell liegt) wenige Sekunden nackt zu sehen war; zum anderen, weil er die Themen Sterbehilfe und Suizid thematisiert: Marina leistet dem erblindeten Geliebten mit Schlaftabletten Sterbehilfe und tötet sich anschlieĂend selbst. Suizid wurde in den katholischen wie den evangelischen Kirchen lange als schwere SĂŒnde eingestuft, teils gestĂŒtzt auf das Gebot âDu sollst nicht tötenâ (Ex 20,13 ). Den Suizid der Marina kann man rezipieren als âTod als Auswegâ oder âTod als gangbarer Wegâ; ebenso als Gesellschaftskritik: âdie Gesellschaft tabuisiert bzw. verdammt Sterbehilfe so sehr, dass demjenigen, der altruistisch Sterbehilfe geleistet hat, praktisch nur Suizid oder Auswanderung bleiben, um der ihm bevorstehenden gesellschaftlichen Ăchtung zu entgehenâ.
âą 1989 zeigte Michael Haneke in seinem auf einem authentischen Fall beruhenden DebĂŒt-Kinofilm, Der siebente Kontinent, zwei Eltern, die sich und ihr Kind töten, und das Premierenpublikum in Buh- und Bravo-Rufer spaltete.
âą Das Meer in mir (2004, Originaltitel: Mar Adentro). Auf einer wahren Begebenheit beruhender Film ĂŒber den galicischen Seemann RamĂłn Sampedro, der infolge eines Badeunfalls in jungen Jahren eine Form der QuerschnittslĂ€hmung (Tetraplegie) erleidet und in seinem Leben fortan keinen Sinn mehr sieht. Der Film begleitet ihn bei seinem verzweifelten, aber am Ende vergeblichen Kampf fĂŒr das Recht auf aktive Sterbehilfe. Mit UnterstĂŒtzung einer Freundin nimmt sich Sampedro schlieĂlich das Leben.
⹠A Single Man (2009, Ein alleinstehender Mann). Der Film spielt im Los Angeles des Jahres 1962. Ein alternder homosexueller Literaturprofessor, der um seinen langjÀhrigen Partner trauert, der bei einem Unfall starb, bereitet seinen Suizid vor.
âą The Virgin Suicides (1999, dt. Untertitel Das Geheimnis ihres Todes, Regie: Sofia Coppola): Die Familie Lisbon lebt in den 1970er Jahren in einem kleinen Vorstadthaus mit ihren fĂŒnf streng behĂŒteten Töchtern Cecilia (13), Lux (14), Bonnie (15), Mary (16) und Therese (17). Der Film beginnt mit einem Suizidversuch der DreizehnjĂ€hrigen; beim zweiten Versuch stirbt sie. Danach verschĂ€rfen die strengglĂ€ubigen Eltern die Regeln im Haus drastisch. Eines Nachts sterben alle anderen vier Schwestern ebenfalls durch Suizid. Die Eltern ziehen weg; die Nachbarn wenden sich bald wieder ihrem Alltag zu. Nur die Nachbarsjungen, allesamt verliebt in eine der Töchter, fragen sich noch jahrelang, wie es zu den Selbsttötungen kommen konnte.
âą Thread of Lies (2014, Regie: Lee Han). Nach dem Tod ihrer 14-jĂ€hrigen Schwester stöĂt Man-ji auf die GrĂŒnde ihres Todes und erfĂ€hrt, dass sie von ihren MitschĂŒlern gemobbt wurde.
âą Ein Lied von Liebe und Tod â Gloomy Sunday (1999). Im Budapest der 1930er und 1940er Jahre: eine Dreiecksbeziehung zwischen einer Kellnerin, einem Restaurantbesitzer einem Pianisten. Das Lied Gloomy Sunday zieht sich als roter Faden durch den Film. Das 1933 komponierte Lied wurde in den 1930er Jahren als melancholisches âLied der Selbstmörderâ bekannt und durch den Film ab 1999 wieder bekannt, in deutschsprachigen LĂ€ndern unter dem Titel Das Lied vom traurigen Sonntag.
âą Kurt FrĂŒh: DĂ€llebach Kari (1970)
Literatur
âą Goethes Roman Die Leiden des jungen Werthers erschien 1774 und wurde sehr bald â in zahlreichen LĂ€ndern Europas â zu einem vielgelesenen Buch; der Begriff Werther-Effekt bezieht sich auf die Folgesuizide. Er wurde auch in der DDR â DEFA-Film von 1976 â verfilmt.
Weitere BĂŒcher (Auswahl, alphabetisch nach Autoren):
âą Simone de Beauvoir: Alle Menschen sind sterblich. (1949)
âą Jurek Becker: Aller Welt Freund. (1982)
âą Thomas Bernhard:
âą Amras. (1964)
âą Die Ursache. Eine Andeutung. (1975, erster Teil einer fĂŒnfteiligen Autobiografie)
âą Otto Julius Bierbaum: Stilpe.
âą Hermann Burger:
âą Der Schuss auf die Kanzel.
âą Tractatus logico-suicidalis.
âą Kate Chopin: Das Erwachen (1899)
âą Jeffrey Eugenides: The Virgin Suicides (deutscher Titel: Die Selbstmord-Schwestern)
âą Theodor Fontane:
âą Schach von Wuthenow (1882/1883)
⹠Cécile
âą Knut Hamsun: Das letzte Kapitel.
âą Peter Handke: Wunschloses UnglĂŒck. (1972)
âą Friedrich Hebbel: Maria Magdalena. (1843, gilt als das letzte deutsche bĂŒrgerliche Trauerspiel)
âą Hermann Hesse:
âą Der Steppenwolf. (1927; verfilmt 1974)
âą Unterm Rad. (1906)
âą Klein und Wagner. (1919)
âą Saskia Jungnikl: Papa hat sich erschossen. (2014)
âą Nikolaus Lenau:
âą Faust. (1836)
âą Gedichte (z. B. Der schwarze See)
âą Nikolai Semjonowitsch Leskow: Die Lady Macbeth von Mzensk. (1864)
âą Haruki Murakami: Naokos LĂ€cheln. (1987)
âą Cees Nooteboom: Rituale. (1980)
âą Hans Erich Nossack: Bereitschaftsdienst. Bericht ĂŒber die Epidemie. (1973)
âą Leo Perutz: Der Meister des JĂŒngsten Tages. (1923)
âą Ernst Penzoldt: Der arme Chatterton. (2004)
âą Ferdinand von Schirach: Der Fall Collini. (2011)
âą Arthur Schnitzler:
⹠FrÀulein Else. (1924)
âą Lieutenant Gustl. (1900/1901)
âą William Shakespeare:
âą Romeo und Julia. (1597)
âą Hamlet. (1603)
⹠Richard Wagner: Der fliegende HollÀnder. (1843)
âą Frank Wedekind: FrĂŒhlings Erwachen. (1891)
Verwandte Themen
SuizidprÀvention:
âą Telefonseelsorge, Telefonseelsorge Deutschland (kirchlich)
âą Nummer gegen Kummer (eingetragener Verein, konfessionslos)
Suizidarten:
âą Schienensuizid
âą Pilotensuizid
âą Massensuizid
âą Suicide by cop (âSuizid durch einen Polizistenâ)
⹠Shinjƫ (japanisch), gemeinsamer Suizid zweier Liebender
Siehe auch
⹠Werther-Effekt, Nachahmungseffekt durch MedienprÀsenz
âą Bilanzsuizid
âą Sterbefasten, Verzicht auf Nahrung und FlĂŒssigkeit
Literatur
Bibliographien, Textsammlungen
âą Hans Rost: Bibliographie des Selbstmordes. Verlag Roderer, Regensburg 1992, ISBN 3-89073-343-3 (Repr. d. Ausg. Augsburg 1927).
âą Suizid-Bibliothek. 1.000 Werke aus den Jahren 1578 bis 1945. (ca. 100.000 Seiten auf 1500 Mikrofiches). Harald Fischer Verlag, Erlangen 2005, ISBN 3-89131-463-9.
Monographien
âą Jean AmĂ©ry: Hand an sich legen. Diskurs ĂŒber den Freitod. (Werke; 3). Klett-Cotta, Stuttgart 2005, ISBN 3-608-93563-0.
⹠Andreas BÀhr (Hrsg.): Sterben von eigener Hand. Selbsttötung als kulturelle Praxis. Böhlau, Köln 2005, ISBN 3-412-18405-5.
âą Paul B. Baltes u. a.: Schwerpunkt Selbstbestimmtes Sterben. (AufklĂ€rung und Kritik/Sonderheft; 11). Gesellschaft fĂŒr kritische Philosophie, NĂŒrnberg 2006, ISSN 0945-6627.
⹠Emmanuel Bauer u. a.: Wenn das Leben unertrÀglich wird. Suizid als philosophische und pastorale Herausforderung (= Forum Systematik. Band 40). Kohlhammer, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-17-021413-2.
⹠Ursula Baumann: Vom Recht auf den eigenen Tod. Die Geschichte des Suizids vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. Böhlau, Weimar 2001, ISBN 3-7400-1180-7.
âą Thomas Bronisch: Der Suizid. Ursachen, Warnsignale, PrĂ€vention. C. H. Beck, MĂŒnchen 2007, ISBN 978-3-406-55967-9.
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Artikel aus Nachschlagewerken
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Weblinks
Wikibooks: Suizidprophylaxe
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Wikisource: Selbstmord
â Quellen und Volltexte
Wiktionary: Suizid
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
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â Zitate
Commons
: Suizid
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Literatur von und ĂŒber Suizid im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
PrÀvention
⹠Nationales Suizid PrÀventions Programm
âą Deutsche Gesellschaft fĂŒr SuizidprĂ€vention (mit weiteren Links)
âą MEN-ACCESS â SuizidprĂ€vention fĂŒr MĂ€nner
âą Zeitschrift Suizidprophylaxe: Theorie und Praxis online
âą SchĂŒlersuizid. Was Lehrerinnen und Lehrer wissen sollten (PDF; 112 kB)
âą Schutz- und Risikofaktoren fĂŒr Suizidversuchen bei Jugendlichen (Donath u. a. 2014)
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âą Ăberleben â Was wir ĂŒber Suizide wissen | ARTE Doku (2022) https://www.youtube.com/watch?v=W3vYsf8Px9E
Statistik
âą Statistisches Bundesamt (Destatis): Todesursachen in Deutschland, inklusive Daten zu Suiziden
Kulturelle Rezeption
âą Zahlreiche Beispiele der kulturellen Aufarbeitung der Suizidthematik in der Gegenwartskultur
Historische Aspekte
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